Das Kind in diesen Träumen ist oft halb vertraut, und Deuter sehen darin seit Langem einen Teil des Träumenden statt eine wirkliche Person.
Das Kind in diesen Träumen ist oft halb vertraut: jemand, den du zu kennen meinst und doch nicht einordnen kannst, manchmal auch du selbst mit sieben oder acht. Diese Gestalt gilt seit Langem als ein Teil des Träumenden und nicht als eine wirkliche Person, als etwas Junges in dir, das noch Aufmerksamkeit verlangt.
Ist das Kind erkennbar du, dreht sich die Auslegung meist um ein unerledigtes Stück deiner eigenen Geschichte. Solche Träume werden häufig in Umbrüchen berichtet, die etwas aus den frühen Jahren anklingen lassen: ein Umzug, ein Anfang an einem neuen Ort, selbst Mutter oder Vater zu werden, einen Elternteil zu verlieren. Die überlieferte Sicht ist nicht, dass die Vergangenheit sich wiederholt, sondern dass du einer früheren Fassung von dir mit erwachsenen Augen begegnest.
Ein fremdes Kind zu versorgen, wird verbreitet als Verantwortung gelesen, besonders als die Sorte, die man nicht ablegen kann. Ein Kind im Supermarkt oder am Bahnhof aus den Augen zu verlieren, gehört zu den quälendsten Fassungen und wird meist mit der Sorge um etwas verbunden, das du im Blick behalten sollst. Eltern träumen das ständig, und niemand nimmt es als Warnung vor einem wirklichen Unglück. Es liegt näher an einer Probe, und ein großer Teil des ängstlichen Träumens scheint genau das zu sein.
Wer den ganzen Tag mit Kindern arbeitet, wer sich seit Jahren eines wünscht, wer sich bewusst dagegen entschieden hat und wessen eigene frühe Jahre schwer waren, bringen zu demselben Bild ganz verschiedenes Material mit. Dieses persönliche Gewicht steht über jeder Standardbedeutung.


