Die Überlieferung teilt das Bild in zwei Hälften: der begrüßende Hund steht für Treue und Schutz, der knurrende für Vertrauen, das ganz in der Nähe gekippt ist.
Hunde gehören zu den Tieren, von denen am meisten geträumt wird, was in einer Welt voller Hunde wenig überrascht. Die Überlieferung teilt das Bild sauber in zwei Hälften. Ein freundlicher Hund steht für Treue, Schutz und Gesellschaft, ein knurrender oder beißender für Treue, die gekippt ist, für einen Freund, bei dem du dir nicht sicher bist, oder für Feindseligkeit aus einer Richtung, die du als sicher abgehakt hattest. Fast alle klassischen Quellen lassen beide Hälften nebeneinander stehen, statt sich für eine zu entscheiden.
Ein Tier, das dich begrüßt, wird meist mit Rückhalt verbunden, auf den Verlass ist, und beim Aufwachen können viele benennen, für wen es stand. Bellen ohne Angriff versteht man eher als Hinweis denn als Drohung, im Sinne von etwas Lautem in deinem Leben, das Aufmerksamkeit verlangt. Der Biss ist die Variante, die Menschen nach einer Erklärung suchen lässt, und er wird am häufigsten entweder mit Verrat verknüpft oder mit einem schlechten Gewissen wegen einer Treue, die du selbst nicht eingelöst hast. Ein Rudel verschiebt die Lesart noch einmal, denn dort hängt die Angst an der Zahl und nicht am einzelnen Tier.
Zwei der meistberichteten Varianten handeln von Abwesenheit. Nach einem Hund zu suchen, der verschwunden bleibt, gehört in die Familie der Suchträume und meint etwas, das du zurückholen willst, und keine Aussage über das Tier. Von einem Hund zu träumen, den du hattest und verloren hast, kennen sehr viele Menschen nach so einem Verlust, und es braucht überhaupt keine Entschlüsselung: es ist derselbe Besuch, den Trauernde von Eltern und alten Freunden beschreiben, und meist zeigt er, dass der Verlust noch getragen wird.
Das Lexikon ist hier weniger wert als dein eigener Verlauf mit Hunden, denn ein Biss in der Kindheit hinterlässt ein ganz anderes Tier im Kopf als fünfzehn Jahre Familienhund. In manchen Kulturen gilt der Hund als unrein, in anderen schläft er auf dem Bett, und jeder trägt die Fassung mit sich, in der er groß geworden ist. Merk dir die Rasse, falls du sie noch weißt, denn der Schlaf wählt oft einen ganz bestimmten Hund aus, dem du tatsächlich begegnet bist.


