Die einzige Landschaft in diesem Lexikon, die jemand angelegt hat, und genau deshalb schaut die Überlieferung zuerst auf Pflege und erst dann auf Pflanzen.
Ein Garten ist der einzige Ort in diesem Lexikon, den jemand anlegen musste, und darauf ruht die ganze Deutung. Gefragt wird zuerst nach seinem Zustand: ein gepflegtes Stück gilt überliefert als etwas in deinem Leben, das noch Aufmerksamkeit bekommt, ein zugewachsenes als etwas, das länger sich selbst überlassen blieb, als vorgesehen war. Ältere Sammlungen mögen dieses Bild und behandeln es freundlich, weil ein Garten in bäuerlichen Zeiten Essen, Vorrat und einen funktionierenden Haushalt bedeutete.
Auslegende sehen sich an, wie es dort aussah, bevor sie fragen, was gewachsen ist. Gemähtes Gras, gerade Reihen und Obst, das noch hängt, gehören in die eine Richtung, Brombeerranken quer über dem Weg in die andere, und keines von beidem ist ein Urteil über den schlafenden Menschen. Unkraut ist nichts Beschämendes. Viele erzählen von einem wild gewachsenen Garten mit hörbarer Erleichterung, und wer mit diesem Bild arbeitet, nimmt genau diese Erleichterung ernster als die Halme. Ein im Winter kahles Beet gilt als Pause und nicht als Versäumnis.
Die Grenze wiegt oft schwerer als die Bepflanzung. Hohe Hecken, ein verschlossenes Tor oder eine Mauer ohne sichtbaren Eingang werden seit Langem mit Zurückgezogenheit verbunden, mit einem Teil des Lebens, den jemand bewusst getrennt hält. Durch ein fremdes Grundstück zu gehen und nicht zu wissen, ob man dort überhaupt sein darf, verschiebt die Lesart von Wachstum zu Erlaubnis. Einen Schlüssel dafür in die Hand gedrückt zu bekommen, schließt in den alten Büchern genau diesen Abstand.
Die meisten Gartenträume haben eine gewöhnliche Wurzel in der Woche davor. Wer selbst etwas anbaut, träumt fortwährend davon, ähnlich wie Köchinnen von Küchen träumen, und für diese Menschen wird die Symbolik dünn bis fast unsichtbar. Ein Umzug in eine Wohnung ohne Balkon, die Übernahme einer Schrebergartenparzelle, ein Kirschbaum, der endlich trägt: all das setzt einen Garten in den Schlaf, ohne etwas mitzuteilen. Frag also zuerst, was dieser Ort für dich war. Ein Garten, in dem du als Kind glücklich warst, und einer, in den man dich zur Strafe zum Jäten schickte, erzeugen aus demselben Anblick zwei sehr verschiedene Träume.


