Vom Garten träumen

Die einzige Landschaft in diesem Lexikon, die jemand angelegt hat, und genau deshalb schaut die Überlieferung zuerst auf Pflege und erst dann auf Pflanzen.

Ein Garten ist der einzige Ort in diesem Lexikon, den jemand anlegen musste, und darauf ruht die ganze Deutung. Gefragt wird zuerst nach seinem Zustand: ein gepflegtes Stück gilt überliefert als etwas in deinem Leben, das noch Aufmerksamkeit bekommt, ein zugewachsenes als etwas, das länger sich selbst überlassen blieb, als vorgesehen war. Ältere Sammlungen mögen dieses Bild und behandeln es freundlich, weil ein Garten in bäuerlichen Zeiten Essen, Vorrat und einen funktionierenden Haushalt bedeutete.

Erst der Zustand, dann die Beete

Auslegende sehen sich an, wie es dort aussah, bevor sie fragen, was gewachsen ist. Gemähtes Gras, gerade Reihen und Obst, das noch hängt, gehören in die eine Richtung, Brombeerranken quer über dem Weg in die andere, und keines von beidem ist ein Urteil über den schlafenden Menschen. Unkraut ist nichts Beschämendes. Viele erzählen von einem wild gewachsenen Garten mit hörbarer Erleichterung, und wer mit diesem Bild arbeitet, nimmt genau diese Erleichterung ernster als die Halme. Ein im Winter kahles Beet gilt als Pause und nicht als Versäumnis.

Zaun, Tor und wem der Garten gehört

Die Grenze wiegt oft schwerer als die Bepflanzung. Hohe Hecken, ein verschlossenes Tor oder eine Mauer ohne sichtbaren Eingang werden seit Langem mit Zurückgezogenheit verbunden, mit einem Teil des Lebens, den jemand bewusst getrennt hält. Durch ein fremdes Grundstück zu gehen und nicht zu wissen, ob man dort überhaupt sein darf, verschiebt die Lesart von Wachstum zu Erlaubnis. Einen Schlüssel dafür in die Hand gedrückt zu bekommen, schließt in den alten Büchern genau diesen Abstand.

Woher das Bild meistens stammt

Die meisten Gartenträume haben eine gewöhnliche Wurzel in der Woche davor. Wer selbst etwas anbaut, träumt fortwährend davon, ähnlich wie Köchinnen von Küchen träumen, und für diese Menschen wird die Symbolik dünn bis fast unsichtbar. Ein Umzug in eine Wohnung ohne Balkon, die Übernahme einer Schrebergartenparzelle, ein Kirschbaum, der endlich trägt: all das setzt einen Garten in den Schlaf, ohne etwas mitzuteilen. Frag also zuerst, was dieser Ort für dich war. Ein Garten, in dem du als Kind glücklich warst, und einer, in den man dich zur Strafe zum Jäten schickte, erzeugen aus demselben Anblick zwei sehr verschiedene Träume.

Häufig gestellte Fragen

Heißt ein verwilderter Garten, dass ich etwas vernachlässigt habe?
Vernachlässigung ist die Standardantwort, und sie taugt besser als Frage denn als Urteil. Manche empfinden ein verwildertes Stück Land als erholsam und nicht als Vorwurf, und diese Reaktion sagt meist mehr aus als das Gestrüpp. Nimm dir das Gefühl im Traum vor, bevor du die ordentliche Deutung übernimmst.
Wird ein Garten anders gelesen als ein Wald?
Ja, und der Unterschied liegt beim Menschen. Ein Wald wächst, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen, und steht überliefert für Wildheit oder für das Kleinsein in etwas Größerem. Ein Garten wurde geplant, gepflanzt und gepflegt, deshalb folgt seine Deutung der Fürsorge und der Kontrolle.

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