Ein Traumtier, das die meisten als ruhig beschreiben und nicht als bedrohlich, und dessen Deutungen sich um Gedächtnis, Geduld und unaufgeregte Kraft sammeln.
Wer von einem Elefanten träumt, sagt fast immer zuerst denselben Satz: Angst war nicht dabei. Über die Sammlungen hinweg trägt das Tier eine erstaunlich feste Reihe von Bedeutungen, vor allem Gedächtnis, Geduld und eine Kraft, die nichts mehr beweisen muss. Für ein großes Wildtier ist das ungewöhnlich, und es ist der Grund, warum dieser Eintrag so anders klingt als der zum Löwen oder zum Bären.
Die Verbindung zum Gedächtnis ist alt und wird täglich von der Redensart aufgefrischt, ein Elefant vergesse nie. Die Deutungen greifen das auf: gelesen wird das Bild oft als etwas, das du nicht vergessen hast und vielleicht nicht vergessen kannst, eine Verpflichtung, eine Schuld, eine Kränkung, ein Mensch. Ob das Last oder Vorrat ist, bleibt der träumenden Person überlassen, und der Ton des Traums klärt es meistens. Viele erzählen, das Tier sei einfach da gewesen und habe zugesehen, was die Quellen für sich schon bedeutsam finden.
Eine wiederkehrende Fassung stellt das Tier dorthin, wo es unmöglich hinpasst: in einen Flur, ein Schlafzimmer, einen Aufzug. Auslegende nehmen das Missverhältnis selbst als Inhalt, eine offensichtliche Sache, die einen Raum füllt, in dem sie nicht behandelt oder auch nur ausgesprochen wird. Für diese Lage gibt es inzwischen auch im Deutschen eine fertige Wendung, und Redensart und Traum füttern einander mittlerweile.
In Südasien trägt der Elefant Bedeutungen aus Festen, Bildwelt und Arbeitsalltag, die in keinem europäischen Traumbuch stehen, und wer damit aufgewachsen ist, sieht schlicht ein anderes Bild. Auch hierzulande ist das Tier kein unbeschriebenes Blatt: Die meisten haben es zuerst im Zoo gesehen, ältere Leser vielleicht noch im Zirkus, und solche frühen Begegnungen färben mit. Ebenso wenig neutral steht da, wer beruflich mit Elefanten zu tun hatte oder auf einer Reise von einem böse erschreckt wurde. Wo es eine persönliche Verknüpfung gibt, gewinnt sie.


