Von Pferden träumen

Geerbt aus Jahrhunderten, in denen Pferde Transport und Krieg bedeuteten, hängt die Deutung an einer Frage: lenkst du die Kraft im Traum oder wirst du von ihr getragen?

Die Traumbücher hinter diesem Eintrag entstanden, als Pferde Transport, Landwirtschaft und Krieg zugleich bedeuteten, was den Platz erklärt, den sie dem Tier einräumen. Weitergegeben haben sie ein Bild von Kraft, die dir nicht ganz gehört: Stärke, Antrieb und Freiheit, dazu die stehende Frage, ob du sie lenkst oder bloß mitfährst. Fast jede Variante dreht sich um genau diese Frage.

Reiten, Durchgehen, frei laufen

Gut zu reiten, im Takt mit dem Tier, gilt als Können, als das Gefühl, etwas Großes zu führen, ohne dagegen ankämpfen zu müssen. Ein durchgehendes Pferd liest man umgekehrt, als Kraft, die dir aus der Hand geglitten ist, und diese Fassung taucht oft auf, wenn ein Vorhaben oder ein Haushalt schneller gewachsen ist als geplant.

Ein Sturz gilt als Rückschlag mit Stolz darin, weil er öffentlich geschieht, anders als ein Stolpern, das niemand mitbekommt. Ein Tier, das in einiger Entfernung steht und dich nur ansieht, ist die leisere Fassung und wird meist als Möglichkeit gelesen, die du noch nicht abgeholt hast.

Was von den Farbregeln übrig bleibt

Die alten Quellen sind bei der Farbe sehr bestimmt. Weiß gilt in weiten Teilen des europäischen Materials als Glück und Schwarz als Schwierigkeit oder Rätsel, während dasselbe Paar anderswo mit vertauschten Werten auftaucht, weil Weiß in manchen Kulturen festlich ist und in anderen die Farbe der Trauer. Eine Regel, die an der Grenze kippt, legt man besser als örtlichen Brauch ab und nicht als Schlüssel.

Deine eigene Vorgeschichte mit Pferden

Wer im Stall groß geworden ist, bringt Verknüpfungen mit, die jemandem völlig fehlen, dessen einziger Kontakt über den Rennbericht läuft. Für die eine ist das Tier warm, teuer und gelegentlich schlecht gelaunt. Für den anderen ist es zuerst ein Sinnbild und danach ein Lebewesen. Beide träumen von Pferden, und es sind nicht dieselben Träume.

Zum Schluss noch etwas Handfestes: solche Nächte werden von Menschen, die reiten, deutlich öfter beschrieben, und daran zu denken lohnt sich, bevor man eine große Deutung für das sucht, was schlicht das Wochenende im Schlaf sein kann.

Häufig gestellte Fragen

Was macht man aus einem wilden Pferd, das sich nicht einfangen lässt?
Meist Energie im eigenen Leben, die noch keine Form bekommen hat, ob das nun Ehrgeiz ist, Ärger oder schlichte Unruhe ohne Richtung. Ältere Quellen sehen im Einfangen die Meisterschaft, viele Leserinnen und Leser finden allerdings die nicht eingefangene Fassung ehrlicher.
Verändert ein verletztes Tier die Deutung?
Überliefert wird das als Verlust von Schwung gelesen, als ein Plan, der lahmt, und nicht als etwas Wörtliches. Belastende Tierbilder gelten in der ganzen Tradition als Bilder eines Gefühls und nie als Nachricht über ein Lebewesen oder einen Menschen.

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