Wer von Bienen träumt, erwähnt zuerst das Geräusch, und das Summen vieler kleiner Arbeiterinnen ist der Kern fast aller überlieferten Deutungen dieses Bildes.
Was Träumende bei Bienen von sich aus erwähnen, ist fast immer das Geräusch. Genau dieses Summen vieler kleiner Wesen, die gleichzeitig arbeiten, greift die Überlieferung auf: Die Biene steht für geordnete Anstrengung, der Stock für eine Gemeinschaft, deren Ertrag kein einzelnes Mitglied zustande brächte.
In der europäischen und mediterranen Traumliteratur hängt die Biene an stetiger Arbeit und damit an Haushalten, Betrieben und jeder Ordnung, in der einzelne Menschen zu einem gemeinsamen Ergebnis beitragen. Honig, wenn er vorkommt, gilt als Lohn angesammelter Arbeit und nicht als Glück. Das sind alte landwirtschaftliche Bilder, die die Annahmen ihrer Gesellschaften mittragen, also nimm sie als Wortschatz und nicht als Gesetz.
Die unangenehme Fassung hat eigene Deutungen. Ein Schwarm, der dich umgibt, gilt als Überforderung durch viele kleine Forderungen, von denen keine für sich ernst ist, und diesen Unterschied erkennen die meisten sofort wieder. Ein einzelner Stich wird als spitze Bemerkung oder kleine Ungerechtigkeit gelesen, die länger nachhing, als sie sollte.
Angst ist hier keine symbolische Angelegenheit. Wer sich wirklich vor Stichen fürchtet oder eine bekannte Allergie hat, träumt auf eine Weise von Bienen, die alles damit und nichts mit der Traumtradition zu tun hat. Eine Imkerin dagegen sieht im Schwarm laufende Arbeit, was gut daran erinnert, dass das Wörterbuch unter deiner eigenen Erfahrung steht.
Für Bienen in der Wohnung hat sich eine eigene Erklärung eingebürgert, meist gelesen als Betrieb von draußen, der in den geschützten Raum eindringt. Manche regionalen Bräuche nehmen eine Biene im Haus als angekündigten Besuch, doch das ist örtlich und nicht allgemein und am besten als Kuriosität vermerkt. Keine dieser Lesarten sagt etwas voraus, und keine sollte mehr sein als eine Möglichkeit, die Stimmung zu benennen, mit der du aufgewacht bist.


