Ein Traum, den vor allem Menschen erzählen, die gerade etwas zu Ende bringen, und der in den Berichten weit öfter schiefgeht als glatt.
Erzählt wird dieser Traum überwiegend von Menschen, die gerade etwas abschließen, und er geht auffällig oft daneben. Der Talar, der nicht passt, die Feier, deren Verlegung niemand mitgeteilt hat, die Sachbearbeiterin, die erklärt, ein Schein fehle noch: solche Fassungen werden viel häufiger berichtet als die glatte, und die Überlieferung liest sie als Frage danach, ob du das Gefühl hast, dir verdient zu haben, was gleich überreicht wird. Die Feier selbst steht für eine Schwelle, die vor Publikum überschritten wird.
Lange nachdem die Schule vorbei ist, läuft ihre Mechanik im Schlaf weiter. Jemand mit fünfzig und zwei Jahrzehnten Berufsleben kann noch von einem fehlenden Zeugnis träumen, und die Kulisse wird geborgt, weil dort die meisten zum ersten Mal gelernt haben, wie sich Bewertetwerden anfühlt. Auslegende schauen über das Papier hinweg auf das Publikum: wer im Saal saß, wessen Zustimmung gesucht wurde und ob überhaupt jemand geklatscht hat.
Die reibungslose Fassung ist leiser und in den Berichten seltener. Durch den Saal gehen, die Mappe entgegennehmen, die eigenen Leute in den Reihen finden: das gilt als Anerkennung, die endlich ankommt, und geschildert wird es besonders von Menschen, die im Wachen etwas Anstrengendes zu Ende gebracht haben, ohne dass ihnen jemand gratuliert hätte. Manche berichten von einem Abschluss in einem Fach, das sie nie belegt haben, und darin sieht man gewöhnlich einen Nachweis, den der schlafende Kopf sich selbst ausstellt.
Nicht alle hatten eine. Im deutschsprachigen Raum kennen viele den Hut mit der Quaste ohnehin nur aus Filmen, während die eigene Erinnerung eher an einer Zeugnisübergabe in der Aula, an einem Abiball oder an einer Promotionsfeier hängt. Wer die Schule abbrechen musste oder wer zusehen durfte, wie Geschwister ihre Urkunden einsammelten, trägt bei diesem Bild ein Gewicht, das keine allgemeine Deutung liefern kann. Wer die Veranstaltung dagegen langweilig fand und früh verschwunden ist, kann mit denselben Szenen kaum etwas anfangen. Deine Geschichte mit jenem Saal klärt die Deutung schneller als jede Liste.


