Eine Tasche ist ein Behälter, den du überallhin mitschleppst, und fast jede überlieferte Deutung beginnt bei genau dieser schlichten körperlichen Tatsache.
Die Tasche im Traum ist ein Ding, das du festhältst, während du dich bewegst, und die Traumlexika haben von dieser Beobachtung aus weitergedacht. Die Standardlesart betrifft alles, was du durch deine Tage schleppst: den nützlichen Inhalt genauso wie die Stücke, die du längst nicht mehr wahrnimmst, weil sie seit Jahren darin liegen.
Den größten Teil der Deutungsarbeit erledigt der Zustand der Tasche. Eine, die sich nicht mehr heben lässt, gilt als Bild für Pflichten, die sich über das erträgliche Maß hinaus angesammelt haben. Eine leere Tasche ist mehrdeutiger: ältere Quellen nehmen sie als Mangel, andere als Freiheit, und beide Lesarten stehen nebeneinander, ohne sich zu einigen.
Am öftesten wird der Verlust berichtet, und dazu gehört die alltägliche Ursache genannt. Wer pendelt, beruflich viel unterwegs ist oder tatsächlich schon einmal sein Gepäck verloren hat, träumt davon, und der Traum ist dann oft nicht mehr als eine Probe der echten Sorge. Ob eine Tasche als Last oder als Sicherheit erscheint, hängt daran, ob du mit Handgepäck reist oder ohne drei Beutel nicht aus dem Haus gehst.
Lässt der Traum dich die Tasche öffnen, richtet sich die Aufmerksamkeit der Ausleger auf den Inhalt statt auf den Behälter. Dinge, die einer anderen Person gehören, Dinge aus einem viel früheren Lebensabschnitt und Dinge, die du gar nicht erkennst, werden verschieden gelesen, und nichts davon ist eine Voraussage. Findet sich in der Tasche etwas, das du lange gesucht hast, gilt das eher als Wiedererkennen denn als Fund: das Gefühl, die Antwort die ganze Zeit dabeigehabt zu haben.
Träume, in denen ein Fremder deine Tasche öffnet, sie an einer Kontrolle einbehalten oder irgendwo nicht durchgelassen wird, tauchen gehäuft auf, wenn du dich beobachtet fühlst, beruflich oder zu Hause. Überliefert geht es dabei um Privatheit und darum, gesehen zu werden. Passt das zu nichts in deiner Woche, darfst du den Traum völlig zu Recht als Rauschen abhaken; Traumbilder müssen nichts bedeuten, um vorzukommen.


