Vom Tanzen träumen

Tanz im Traum wird über das Gefühl gelesen und nicht über die Schrittfolge, als Bild für Loslassen, für Beobachtetwerden oder für etwas, das endlich in Bewegung darf.

Tanz steht im Traum selten am Rand. Er füllt das Bild aus, und gelesen wird nicht die Fußarbeit, sondern das Gefühl: Tanzen gilt in der Auslegungstradition als Loslassen, als etwas im Menschen, das lange stillgehalten wurde und sich endlich bewegen darf. Ältere Traumbücher stellen es neben Fest, Werbung und gute Gesellschaft. Was am Morgen übrig bleibt, ist fast nie die Schrittfolge. Es ist die Frage, ob jemand zugesehen hat, ob der Körper wusste, was zu tun war, und wer sonst noch auf der Fläche stand.

Die Fassungen, von denen am meisten berichtet wird

  • Allein tanzen. Gilt oft als eine Sicherheit, die es längst gibt, die aber noch niemand zu sehen bekommen hat.
  • Zu zweit tanzen. Deuter schauen darauf, wie gut ihr euch miteinander bewegt habt, und nehmen das als Porträt der Beziehung, nicht als Aussage über ihre Zukunft.
  • Schlecht tanzen, aus dem Takt geraten. Meist verknüpft mit dem Gefühl, in einer Gruppe bloßgestellt zu sein, verwandt mit den Träumen, in denen man falsch angezogen irgendwo ankommt.
  • Anderen beim Tanzen zusehen. Viele beschreiben dabei, außen vor zu stehen, und genau darauf zielt die übliche Lesart, nicht auf irgendein Ereignis.

Woher das Bild meistens kommt

Meist liegt eine ganz gewöhnliche Quelle in der Nähe. Eine Hochzeitseinladung, ein langer Abend mit lauter Musik, der Tanzkurs, den du seit Monaten buchen willst, oder Wochen, in denen sich der Körper kaum bewegt hat. Bewegungsdrang taucht im Schlaf als Bewegung auf, und Tanzen ist die geselligste Bewegung, die es gibt. Wer regelmäßig tanzt, träumt davon so, wie Musiker von Tonleitern träumen, und für diese Menschen trägt das Bild viel weniger Bedeutung, als ein Lexikon vermuten lässt.

Was mehr zählt als das Symbol

Eine ausgebildete Tänzerin und jemand, der nüchtern noch nie einen Schritt gewagt hat, haben nicht denselben Traum, selbst wenn sich die Bilder gleichen. Frag dich, was Tanzen dich im Wachen kostet und was es dir gibt, und lies die Nacht davor. Die Tradition sieht darin Freude, aber Freude ist hier nicht selbstverständlich: für manche ist die Tanzfläche der unangenehmste Ort im ganzen Haus, und ein Traum, der dort spielt, liegt näher an einer Prüfung als an einem Fest.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Traum vom Tanzen ein gutes Zeichen?
Volkstümliche Sammlungen stellen ihn gern neben Fest und Feier, daher stammt die Idee. Über das, was kommt, sagt ein Traum jedoch nichts. Nützlicher ist die Frage, welcher Teil deines Alltags sich gerade steif oder unausgesprochen anfühlt.
Warum kann ich im Traum wunderbar tanzen, obwohl ich es gar nicht kann?
Träume borgen sich Fähigkeiten frei, weil darin nichts einem echten Körper gehorchen muss. Genauso unerwartet taucht Können beim Fliegen und beim Schwimmen auf. Deuter nehmen meist die Leichtigkeit selbst als Inhalt und nicht das Talent.

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