Erinnert wird das Wasser statt der Schwimmstil, und die Deutungen folgen dem: Schwimmen gilt als Zurechtkommen in einem Medium, das niemanden umsonst trägt.
Vom Schwimmtraum bleibt das Wasser übrig und nicht die Bewegung: warm oder eiskalt, klar oder trüb, ruhig oder gegen einen arbeitend. Wie jemand geschwommen ist, überlebt das Erzählen dagegen fast nie. Die Deutungen folgen dieser Spur und machen aus dem Schwimmen ein Zurechtkommen, die Arbeit, oben zu bleiben und dort voranzukommen, wo nichts trägt, solange man nicht selbst dafür sorgt.
Nach der Richtung fragen Deuter zuerst. Mit der Strömung zu schwimmen liest sich als Umstände, die einen Teil der Arbeit übernehmen, und wird oft als unheimlich leicht beschrieben. Dagegen anzuschwimmen ist das Standardbild für Mühe, die nichts einbringt, und wird in langen Strecken unbelohnter Arbeit besonders oft berichtet. Von etwas Unsichtbarem seitwärts gezogen zu werden zählt zum Material über Einfluss statt über Hindernisse.
Die Klarheit zählt genauso viel wie die Bewegung. Klares Wasser mit sichtbarem Grund gilt als Lage, die jemand versteht. Dunkles oder trübes Wasser gehört zum Unbekannten, und das Unbehagen in diesen Berichten dreht sich meist um das, was darunter sein könnte, und nicht um das Schwimmen. Die Temperatur wird lockerer gelesen, wobei mehrere Überlieferungen kaltes Wasser mit Widerwillen und warmes mit Bereitschaft verbinden.
Eine eigene und durchweg angenehme Fassung lässt jemanden schwimmen, ohne atmen zu müssen, manchmal weit unter der Oberfläche. Sie steht in den meisten Sammlungen neben den Flugträumen und bekommt eine ähnliche Deutung: Können ohne die üblichen Grenzen. Als Aussage über jemandes wirkliche Fähigkeiten nimmt das niemand.
Am Ufer zu stehen und nicht hineinzugehen gehört ebenfalls hierher. Ältere Quellen führen das Zögern vor dem ersten Zug getrennt und legen es als ausstehende Entscheidung aus, nicht als Scheu.
Eine Wettkampfschwimmerin und jemand, der es nie gelernt hat, treffen nachts auf völlig verschiedenes Wasser. Das Können, oder sein Fehlen, gehört zum Bild, bevor überhaupt eine Bedeutung daran hängt.


