Ein Bild für den richtigen Zeitpunkt. Reif, unreif, überreif und faul gelten als vier verschiedene Bilder, und danach fragen Ausleger als Erstes.
Obst im Traum handelt vom Zeitpunkt. Reif, unreif, überreif und faul zählen als vier verschiedene Bilder, und Ausleger fragen zuerst danach, welches du in der Hand hattest. Die allgemeine Verbindung geht zum Ertrag, also zu dem Punkt, an dem aus Mühe etwas wird, das sich pflücken lässt. Allein kommt es selten vor: eine Schale, ein Marktstand, ein Ast, der es noch trägt, und dieser Rahmen wird mitgelesen.
Was du damit gemacht hast, formt die Deutung weiter. Pflücken hängt daran, etwas unmittelbar selbst zu erarbeiten, Kaufen daran, es auf anderem Weg zu bekommen, und Geschenktbekommen daran, etwas von einer anderen Person anzunehmen. Das Austeilen taucht in etlichen Traditionen als Großzügigkeit auf, die zurückkommt, wobei das als alte moralische Lesart gemeint ist und nicht als Zusage. Ins Bett kommt Obst außerdem auf dem flachsten denkbaren Weg, nämlich weil du welches gegessen hast oder welches wolltest.
Bestimmte Früchte tragen stark örtliche Bedeutungen. Granatapfel, Feige, Dattel, Orange und Apfel stehen jeweils in Geschichten, die von Gegend zu Gegend wechseln, und eine darauf gebaute Deutung lässt sich nicht unverändert mitnehmen. Wo eine Frucht zu deinem eigenen Jahreskalender gehört, der Zwetschgenbaum im Garten der Großeltern, etwas, das du mit einer Jahreszeit oder einem Fest verbindest, ist genau diese Verbindung der Ausgangspunkt.
Der Weg in die Nacht ist bei diesem Bild kurz. Die Schale auf dem Tisch, der Wochenmarkt am Samstag, der volle Baum beim Spaziergang im Spätsommer: was tagsüber gesehen wurde, taucht abends wieder auf, und die Deutung sollte diese Möglichkeit zuerst durchlassen. Bleibt trotzdem eine bestimmte Frucht auffällig im Gedächtnis, lohnt eher die Frage, woran sie dich erinnert, als die Suche nach ihrer angeblich festen Bedeutung.


