In den Sammlungen als Haltung der Bitte behandelt und nicht als Frage der Lehre, und zwar gleich, ob die träumende Person einen Glauben hat oder nicht.
Vom Beten träumen Gläubige, Ausgetretene und ganz weltliche Menschen, und die Auslegungstradition behandelt das als Haltung, nicht als Bekenntnis. Über die Sammlungen hinweg kommt dabei die Bitte heraus: Man greift nach etwas, das größer ist als die eigene Lage, und gesteht damit ein, dass die Lage größer ist als man selbst. Eine zweite Deutung, die in fast jeder Kultur mit Traumaufzeichnungen vorkommt, ist schlicht Erleichterung, also das, was folgt, wenn eine Last abgesetzt wird.
Bevor irgendetwas gedeutet wird, lohnt die schlichteste Erklärung. Wer täglich betet, träumt vom Beten, genauso unspektakulär wie Autofahrende vom Fahren träumen. Gehört es zu deiner gewöhnlichen Woche, kann der Traum ganz ohne Symbolgehalt sein. Und falls es nicht dazugehört, bleibt das Bild trotzdem deines und keiner Einrichtung: Was es im Traum für dich war, ist die Lesart, die zählt.
Traumliteratur gibt es in vielen religiösen Kulturen, und jede liest dieses Bild durch ihren eigenen Rahmen. Eine einzige Antwort lässt sich deshalb nicht geben, und dieser Eintrag versucht es auch nicht. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Handlung deuten und nicht den Menschen bewerten. Nichts hier sagt etwas darüber, was dein Glaube lehrt, ob du überhaupt einen hast oder wozu ein Traum dich verpflichten würde. Das ist deine Sache und, falls du das möchtest, die derjenigen, die du sonst fragst.
Ob du allein oder unter anderen gebetet hast, ist die übliche erste Frage, denn gemeinsames Beten gilt als Zugehörigkeit und stilles als Bedürftigkeit. Ob dir die Worte kamen, zählt ebenfalls; dass sie ausblieben, wird oft berichtet und mit der Schwierigkeit verbunden, im Wachen um Hilfe zu bitten. Für einen bestimmten Menschen zu beten wird als Sorge um ihn verstanden und als nichts darüber hinaus. In einem fremden Gebäude zu beten zeigt auf unbekanntes Gelände, nicht auf unbekannten Glauben. Und ob am Ende Ruhe eintrat oder nicht, ist die Einzelheit, an die sich Träumende am längsten erinnern.


