Von einer Wunde träumen

Die Alltagssprache kam vor jedem Traumbuch zu diesem Bild. Ausgelegt wird die Wunde als getragener Schmerz und nie als Auskunft über einen Körper.

Die Alltagssprache war lange vor jedem Traumbuch bei diesem Bild. Man spricht von alten Wunden, davon, dass etwas wieder aufreißt, von einer Bemerkung, die schneidet, und die überlieferte Auslegung der Wunde im Traum läuft genau daran entlang: ein Schmerz, der noch nicht fertig verheilt ist. Verstanden wird sie als etwas, das jemand mit sich trägt, und niemals als Auskunft über einen Körper.

Frisch, alt oder versorgt

Worauf diese Lesarten achten, ist das Alter. Eine frische, blutende Verletzung gilt als Schmerz, der gegenwärtig ist und täglich gespürt wird. Eine alte Wunde, die wieder aufplatzt, gilt als etwas, das jemand für abgeschlossen hielt und das durch eine Lage zurückgeholt wurde, die sich auf die erste reimt. Eine Wunde, die sich schließt, oder eine, die dir jemand verbindet, nimmt man meist als angenommene Fürsorge, und viele merken an, dass genau das die schwierigere Hälfte des Bildes ist.

Was ein Traum nicht kann

Das gehört klar gesagt. Ein Traum ist kein Untersuchungsgerät. Von einer Verletzung zu träumen zeigt nicht an, dass mit dir oder mit einem Menschen, den du liebst, etwas nicht stimmt, und niemand sollte einen Traum zum Anlass nehmen, sich um seine Gesundheit zu sorgen oder eine echte Frage an eine Fachperson aufzuschieben. Die Richtung läuft nur andersherum: Echter Schmerz während der Nacht taucht bekanntermaßen gern als Bild wieder auf, weshalb Menschen, die sich von einer Verletzung erholen, oft von einer träumen.

Stelle und Vorgeschichte

Für die meisten verschiebt der Ort am Körper den Sinn des Bildes. Hände werden gewöhnlich mit Arbeit und Können verknüpft, das Gesicht damit, wie jemand sich gesehen fühlt, die Füße mit Selbstständigkeit. Und wer tatsächlich einmal schwer verletzt war, bringt diese Erinnerung mit in den Raum. Für diese Person ist der Traum vielleicht nichts weiter als Erinnerung bei ihrer gewöhnlichen Nachtarbeit, und keine symbolische Lesart sollte darüber hinwegreden.

Häufig gestellte Fragen

Ich habe geträumt, dass ein anderer Mensch verletzt war. Was macht man daraus?
Ausleger sehen darin meist Sorge um diese Person und nicht etwas, das ihren Körper beträfe, oft eine Sorge, die nie ausgesprochen wurde. Es sei wiederholt: Ein Traum enthält keinerlei Auskunft über die Gesundheit eines anderen Menschen.
Heißt eine Wunde, die nicht wehtut, etwas Bestimmtes?
Schmerzlose Verletzungen werden häufig berichtet, und üblicherweise gelten sie als Schaden, den jemand nicht mehr registriert, aus Gewohnheit oder weil zu viel los ist. Die Traumlogik dämpft körperliche Empfindungen ohnehin oft, also kann es auch schlicht am Aufbau der Szene liegen.

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