Von der Wüste träumen

Eine Landschaft mit zwei gegensätzlichen Lesarten, Leere auf der einen und gewollter Rückzug auf der anderen Seite, und es entscheidet, wie sich der Boden angefühlt hat.

Die Wüste ist eine der wenigen Traumlandschaften, deren überlieferte Deutungen sich offen widersprechen. In der einen Linie steht sie für Leere, Durst und das Abgeschnittensein von allem, was einen nährt. In der anderen, älter und größtenteils religiösen Ursprungs, ist sie der Ort, an den Menschen absichtlich gingen, um das Leben abzuräumen und sich selbst denken zu hören. Beide halten sich, weil beide zu dem passen, wie sich der Traum für verschiedene Menschen anfühlt.

Welche Wüste war es

  • Verirrt und durstig. Die Fassung, die die meisten erwarten, meist verbunden mit aufgebrauchten Vorräten: Zeit, Geld, Geduld oder Aufmerksamkeit, abgezogen und nie nachgefüllt.
  • Bewusst hindurchgehen. Wird deutlich positiver gelesen, als Ausdauer, als eine Strecke, die du angenommen hast statt in ihr festzusitzen.
  • Eine Oase in Sicht. Überliefert als Erleichterung, die es gibt, die aber noch nicht erreicht ist, und das ist etwas anderes als eine Erleichterung, die eintrifft.
  • Ein Sandsturm. Meist zu den Nebel- und Schneesturmbildern gestellt: es geht um verlorene Sicht nach vorn und nicht um Gefahr.

Die schlichte Erklärung, über die viele hinweglesen

Wüsten sind heiß und trocken, und ein Schlafzimmer im August mit laufender Heizung ist es auch. Ein trockener Mund, eine verstopfte Nase, zu wenig getrunken am Abend zuvor und ein Raum ohne Luftzug tauchen im Schlaf als Landschaft auf, weil sich um jede Körperempfindung herum eine Kulisse baut. Bevor du zur sinnbildlichen Ebene greifst, lohnt die Frage, ob du mit dem Wunsch nach einem Glas Wasser aufgewacht bist. Diese Antwort deckt für sich genommen einen großen Teil dieser Nächte ab.

Leere ist nicht für alle dasselbe

Bist du in einem trockenen Land groß geworden, dann ist Sand Heimat und nicht Abwesenheit, und das hebt die überlieferte Lesart schlicht auf. Wer in Wüsten unterwegs war, nennt den Traum oft weit und klar, während Menschen, die solche Gegenden nur aus Filmen kennen, dieselbe Landschaft feindselig finden. Die Tradition liefert einen Ausgangspunkt; welche der beiden widersprüchlichen Fassungen dir gehört, entscheidet dein eigener Stand an diesem Ort.

Häufig gestellte Fragen

Heißt ein Wüstentraum, dass ich einsam bin?
Einsamkeit ist eine Lesart unter mehreren und ergibt sich nie von selbst. Leere im Schlaf kann genauso auf eine ruhige Phase zeigen, die du gewählt hast, auf eine Pause vom Lärm oder einfach auf eine warme Nacht. Wie sich der Raum angefühlt hat, zählt mehr als der Sand.
Was macht man daraus, in einem Wüstentraum Wasser zu finden?
Es gilt als Wendung innerhalb des Traums und nicht als Zusage für das Wachleben. Deuter fragen, ob du das Wasser erreicht, getrunken oder nur außer Reichweite gesehen hast, denn diese drei Ausgänge ziehen in ganz verschiedene Richtungen.

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