Der Wal kommt als reine Größe in den Traum. Gedeutet wird er als etwas Riesiges im Leben, das man ahnt statt ansieht und das unter der Oberfläche zieht.
Ein Wal kommt als Größe in den Traum. Er gehört zu den ganz wenigen Tieren, die auftauchen, gar nichts tun und trotzdem die ganze Szene einnehmen können, und die überlieferten Deutungen ergeben sich direkt daraus. Ausleger nehmen ihn für etwas Gewaltiges im Leben der träumenden Person, das eher geahnt als betrachtet wird, unter allem vorhanden und immer nur in Teilen sichtbar.
Wale werden ganz anders ausgelegt als Haie, und das hat nichts mit Gefahr zu tun, sondern mit Absicht. Ein Hai im Traum ist gewöhnlich hinter jemandem her. Ein Wal ist einfach da. Deshalb hängen Ausleger das Bild an Dinge, die riesig und im Großen und Ganzen gutartig sind, sich aber nicht mit einem Blick fassen lassen: eine Familiengeschichte, ein Vorhaben, das in Jahren gerechnet wird, ein Gefühl, das in keinen einzelnen Gedanken passt.
Weil das Tier auftaucht und wieder abtaucht, verbinden die Bücher es oft mit Angelegenheiten, die ins Blickfeld kommen und verschwinden, bevor man sie anpacken kann. Sehr viele beschreiben genau diesen Rhythmus und erinnern den Moment des Abtauchens deutlicher als den des Auftauchens.
Wenige Tiere schleppen so viel Erzählgut mit sich. Die Geschichte vom Verschlucktwerden, die in mehreren Traditionen umläuft, hat lange auf die Auslegung abgefärbt. Traumbücher aus Gegenden, in denen sie zur Allgemeinbildung gehört, nehmen das Innere des Wals als erzwungene Wartezeit vor einem Kurswechsel. Das ist ein kulturelles Erbe und sollte auch so benannt werden, keine Bedeutung, die alle Kulturen teilen.
Hast du vom Boot aus einen gesehen, borgt der Traum sich vermutlich diesen Nachmittag. Arbeitest du im Naturschutz, kann dasselbe Tier mit Sorge statt mit Staunen auftauchen. Was ein Wal für dich persönlich schon bedeutet, ist die stärkste Zutat der Nacht und stärker als alles, was auf dieser Seite steht.


