Die Uhr, die keine klare Antwort gibt, bleibt den meisten in Erinnerung. Überliefert steht der Gegenstand schlicht für die Zeit und für dein Gefühl dafür.
Eine Uhr steht in der Deutungstradition für die Zeit selbst, und mehr Geheimnis steckt in der Grundbedeutung nicht: Von ihr zu träumen gilt als geschärfter Sinn dafür, dass Zeit vergeht, gemessen wird oder schon verbraucht ist. Merkwürdig ist an diesem Traum etwas anderes, und fast alle berichten es. Die Uhr wollte sich nicht festlegen. Zeiger kreisen, die Ziffern stehen beim zweiten Hinsehen anders, das Zifferblatt hat gar keine Zahlen.
Die Spielarten ziehen in deutlich verschiedene Richtungen. Eine stehengebliebene Uhr gilt als Lebensabschnitt, der sich nicht weiterbewegt hat. Eine kaputte zeigt auf das Vertrauen in den Zeitplan selbst, das nachgibt. Eine Uhr zu verlieren nimmt man als Verlust des Fadens, was dazu passt, wie oft dieser Traum in Wochen mit übervollem Kalender auftaucht. Eine geschenkte Uhr steht für Zeit, die jemand anderes anbietet, und eine geerbte trägt das mit sich, was ihr früherer Besitzer für dich bedeutet. Das kann keine Liste liefern.
Uhrenträume häufen sich rund um Abgabetermine, frühe Abfahrten und Schichtdienst, und sie sind mit dem Zuspätkommen verwandt. Wer den Wecker auf eine ungewohnt frühe Stunde gestellt hat, schaut im Schlaf oft immer wieder nach der Zeit. Das ist weniger ein Symbol als ein Kopf, der nicht ganz Feierabend macht. Diese Möglichkeit gehört geprüft, bevor du das Bild zum Urteil über ein ganzes Leben machst.
Dazu kommt, dass wenige Gegenstände so viel Bedeutung ansammeln. Die erste eigene Uhr, ein Geschenk zum Abschied aus dem Beruf, die Uhr eines Elternteils in der Schublade: So etwas kommt bereits beladen im Traum an, und diese Geschichte wiegt schwerer als alles, was die Überlieferung über Zeitmessung zu sagen hat. Hast du die Uhr erkannt, fang bei ihrem Besitzer an.


