Zwei Träume unter einer Überschrift: Wasser gilt als Erleichterung und Auffüllen, Alkohol wird über die Gesellschaft gelesen und darüber, wie der Abend endete.
Unter diesem Namen laufen zwei ganz verschiedene Träume, und sie werden in entgegengesetzte Richtungen gedeutet. Wasser zu trinken gilt überliefert als Auffüllen, als Erleichterung, als ein Bedürfnis, das gestillt wird. Alkohol zieht die Lesart hin zu gelockerter Kontrolle, zu Feiern oder zu Flucht, je nachdem, wie der Abend ausging. Herauszufinden, welchen der beiden du hattest, ist der erste Schritt, denn jedes Lexikon, das sie als ein Bild behandelt, schickt dich in die falsche Richtung.
Die schlichteste Erklärung gehört nach vorn: wer wirklich Durst hat, träumt vom Trinken, und im Traum hilft es oft nicht. Nach einem Glas greifen, das sich leert, schlucken, ohne dass der Durst nachlässt, oder den Hahn trocken vorfinden, all das wird häufig berichtet und passt zu einem trockenen Mund in einem warmen Zimmer. Wo sinnbildlich gelesen wird, steht ungestillter Durst für etwas im Wachleben, zu dem du immer wieder zurückkehrst, ohne dass es dich nährt, und klares Wasser, das leicht hinuntergeht, für das Gegenteil.
Hier wird die Überlieferung moralisch, auf eine Art, die heute die meisten weglassen. Alte Traumbücher behandeln den Trunk als Warnung vor dem eigenen Charakter, was mehr über die Jahrhunderte sagt, in denen sie geschrieben wurden, als über irgendjemanden, der heute träumt. Brauchbarer ist der Blick auf die Gesellschaft und auf das Danach: mit anderen trinken geht meist um Dazugehören, allein trinken um etwas, das verwaltet und nicht genossen wird, und sich betrunken zu fühlen, ohne einen Tropfen angerührt zu haben, beschreiben oft Menschen, die eine Lage nicht im Griff haben und nicht sich selbst.
Wessen Leben durch das eigene Trinken geprägt ist oder durch das eines nahen Menschen, bringt ein Gewicht mit, an das keine allgemeine Symbolliste heranreicht, und für diese Träumenden taugt alles oben Genannte kaum. Dasselbe Bild kann Sehnsucht sein, Furcht, Verlangen oder ziemlich wenig. Lies es an deinem eigenen Verhältnis zum Glas entlang statt an der Tradition, und wenn eine wiederkehrende Fassung dich belastet, ist das eher ein Gespräch mit einem Menschen wert als eine Entzifferung.


