Von Tränen träumen

Eines der wenigen Traumbilder, das körperliche Spuren hinterlässt: Menschen weinen tatsächlich im Schlaf, und die Überlieferung liest Tränen eher als Entlastung denn als Trauer.

Manche landen hier, weil sie aufgewacht sind und ihr Gesicht wirklich nass war. Das kommt vor, es ist beschrieben, und es gehört vor jede Symbolik: Weinen im Schlaf ist ein körperlicher Vorgang, am häufigsten berichtet nach gefühlsmäßig schweren Tagen, in Trauerzeiten und in den tieferen Stunden der Nacht. Die überlieferte Lesart passt gut daneben, denn Deuter behandeln Traumtränen seit Langem als Druck, der einen Ausweg findet, und das steht der Erleichterung näher als der Traurigkeit.

Weinen ohne Traurigkeit

Am seltsamsten finden Träumende die Fassung, in der sie heftig schluchzen und dabei gar nichts empfinden oder sogar ruhig bleiben. Ältere Quellen kommen damit mühelos zurecht und sehen darin etwas, das abfließt, ohne dass der wache Kopf ihm schon einen Namen gegeben hätte. Auffällig oft berichten das Menschen, die von sich sagen, sie weinten eigentlich nie, was für diese Deutung spricht und nicht gegen sie.

Wer weint, und wer zusieht

  • Allein weinen. Meist als Gefühl gedeutet, dass der Kummer kein Publikum hat, ob das im Wachen zutrifft oder nicht.
  • Weinen und getröstet werden. Verstanden als Wunsch nach Rückhalt; das ältere Material zählt es zu den freundlichen Bildern.
  • Jemand anderem beim Weinen zusehen. Bezogen auf Sorge um diesen Menschen oder auf ein eigenes Gefühl, das in einem fremden Körper leichter anzuschauen ist.
  • Weinen wollen und es nicht können. Gilt als etwas Verschlossenes und wird auffällig oft von Leuten beschrieben, die viel für andere tragen.

Was dahinterlag

Weit trägt ein Lexikon hier nicht. Worüber du geweint hast und ob dir das Weinen bei Tageslicht leichtfällt, sagt dir mehr als jede Bedeutung auf dieser Seite. Zwei Menschen mit demselben Bild vor Augen haben selten denselben Traum gehabt. Tränen nach einem Verlust sind Trauer bei ihrer gewöhnlichen Arbeit und brauchen keine Auslegung obendrauf. Kommen belastende Träume häufig und lassen dich erschöpft zurück, ist das eher ein Thema für einen Menschen mit Ausbildung als für eine Symbolliste.

Häufig gestellte Fragen

Ist es normal, im Schlaf wirklich zu weinen?
Ja, und es kommt häufiger vor, als die meisten annehmen. Es folgt oft auf anstrengende Tage oder auf Zeiten des Verlusts. Für sich genommen ist es kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Kündigen Traumtränen schlechte Nachrichten an?
Nein. Diese Tradition sagt nichts voraus, und die alten Quellen sind ungewöhnlich einig darin, Tränen als Loslassen zu behandeln und nicht als etwas, das näher kommt. Mehrere zählen das Bild genau deshalb zu den günstigen.

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