Eines der wenigen Traumbilder, das körperliche Spuren hinterlässt: Menschen weinen tatsächlich im Schlaf, und die Überlieferung liest Tränen eher als Entlastung denn als Trauer.
Manche landen hier, weil sie aufgewacht sind und ihr Gesicht wirklich nass war. Das kommt vor, es ist beschrieben, und es gehört vor jede Symbolik: Weinen im Schlaf ist ein körperlicher Vorgang, am häufigsten berichtet nach gefühlsmäßig schweren Tagen, in Trauerzeiten und in den tieferen Stunden der Nacht. Die überlieferte Lesart passt gut daneben, denn Deuter behandeln Traumtränen seit Langem als Druck, der einen Ausweg findet, und das steht der Erleichterung näher als der Traurigkeit.
Am seltsamsten finden Träumende die Fassung, in der sie heftig schluchzen und dabei gar nichts empfinden oder sogar ruhig bleiben. Ältere Quellen kommen damit mühelos zurecht und sehen darin etwas, das abfließt, ohne dass der wache Kopf ihm schon einen Namen gegeben hätte. Auffällig oft berichten das Menschen, die von sich sagen, sie weinten eigentlich nie, was für diese Deutung spricht und nicht gegen sie.
Weit trägt ein Lexikon hier nicht. Worüber du geweint hast und ob dir das Weinen bei Tageslicht leichtfällt, sagt dir mehr als jede Bedeutung auf dieser Seite. Zwei Menschen mit demselben Bild vor Augen haben selten denselben Traum gehabt. Tränen nach einem Verlust sind Trauer bei ihrer gewöhnlichen Arbeit und brauchen keine Auslegung obendrauf. Kommen belastende Träume häufig und lassen dich erschöpft zurück, ist das eher ein Thema für einen Menschen mit Ausbildung als für eine Symbolliste.


