Punkte zum Steuern in der einen Überlieferung, unerreichbare Ferne in der anderen, weshalb derselbe Nachthimmel die einen beruhigt und die anderen unruhig macht.
Zwei alte Lesarten ziehen dieses Bild in verschiedene Richtungen. Die eine macht Sterne zur Orientierung, zu den festen Punkten, nach denen Seeleute und Reisende steuerten, und der Traum wird zur Frage, wohin es gehen soll. Die andere macht sie zur Ferne, schön und dauerhaft außer Reichweite, und der Traum wird zur Frage nach dem Wollen. Beide sind alt, und keine hebt die andere auf.
Welche passt, hängt meist davon ab, was die träumende Person getan hat. Nach ihnen navigieren oder auf einen zugehen fällt in die erste Gruppe und wird als gefundene oder gesuchte Richtung ausgelegt. Bloßes Hinaufschauen, besonders mit einem Ziehen dabei, fällt in die zweite. Der Brauch, sich bei einem hellen Stern etwas zu wünschen, ist europäisches Volksgut und keine allgemeine Lesart, und das gehört dazugesagt.
Die Sternschnuppe taucht öfter auf als jede andere Fassung, und die Auslegungen stimmen über Kulturen hinweg ungewöhnlich gut überein: etwas Kurzes und Bemerkenswertes, verschwunden, bevor es sich halten ließ. Sich beim Fallen etwas zu wünschen ist ein Brauch, den Menschen mitbringen und anschließend wieder aus dem Traum herauslesen. Sterne, die einzeln ausgehen, kommen weit seltener vor und gehören zu den Bildern schwindender Möglichkeiten. Als Nachricht über die Zukunft behandelt das niemand, der sorgfältig liest.
Auf einer Astrologieseite gehört das deutlich gesagt. Ein Geburtshoroskop wird aus Planetenständen zu einem bestimmten Datum, einer Uhrzeit und einem Ort berechnet. Was die Sterne in deinem Traum gemacht haben, ist eine völlig andere Sache, und keine Überlieferung verbindet die beiden.
Auch hier führt der Zusammenhang. Eine Mitarbeiterin einer Sternwarte, ein Segler und jemand, der die Milchstraße wegen des Stadtlichts nie gesehen hat, bringen drei verschiedene Sterne in dieselbe Nacht.


