Von der eigenen Schwester träumen

Eine Gestalt, die halb die wirkliche Person ist und halb eine Fassung der träumenden Person: gleicher Startpunkt, andere Entscheidungen, nebenher gelaufen.

Familienfiguren beherrschen die Traumberichte, und nach den Eltern kommt kaum jemand so oft vor wie eine Schwester. Die in den meisten Überlieferungen anzutreffende Deutung macht aus ihr zweierlei auf einmal: die wirkliche Person und ein Leben, das an derselben Adresse anfing und anders weiterging. Diese Doppelung erklärt, warum solche Träume schwerer wiegen als das, was in ihnen passiert.

Der Vergleich darunter

Weil Geschwister denselben Ausgangspunkt teilen, dient die Gestalt seit langem dazu, über Maßstäbe zu sprechen. Eine Schwester, die im Traum erfolgreich wirkt oder gelobt wird, gilt gewöhnlich als Bestandsaufnahme des eigenen Wegs und nicht als Aussage über sie. Umgekehrt geht es genauso: Eine Schwester in Schwierigkeiten steht oft für eine Sorge, die jemand über sich selbst hat und an eine Stelle geschoben hat, die sich leichter anschauen lässt.

Streiten, beschützen, sie aus den Augen verlieren

Auseinandersetzungen in diesen Träumen sind ausgesprochen häufig und gelten als Reibung, die nicht ausgesprochen wurde, nie als Ankündigung einer künftigen. Sie vor etwas zu beschützen liest sich als Pflichtgefühl, das sich vielleicht niemand ausgesucht hat. Sie in einer Menge oder an einem Bahnhof zu verlieren gehört zu den Bildern der Entfernung und wird oft von Menschen berichtet, deren Familie sich über mehrere Orte verteilt hat.

Wenn es gar keine Schwester gibt

Auch Menschen ohne Schwester träumen von einer, und diese Lesart ist die interessantere. Die Gestalt gilt dann als eine Art Gefährtin des eigenen Ich, ein Versuch, sich vorzustellen, was eine geteilte Kindheit hervorgebracht hätte. Einzelkinder berichten das genauso bereitwillig wie alle anderen, was dafür spricht, dass das Bild sinnbildlich arbeitet und keine Familie beschreibt.

Keine allgemeine Bedeutung übersteht den Kontakt mit der wirklichen Beziehung. Eine Schwester, mit der du gebrochen hast, und eine, mit der du täglich telefonierst, erzeugen aus demselben Lexikoneintrag völlig verschiedene Träume, und welche davon deine ist, weißt nur du.

Häufig gestellte Fragen

Bedeutet ein Streit mit meiner Schwester, dass wir uns entzweien?
In dieser Überlieferung arbeitet nichts als Prognose, und das Bild gilt meist als vorhandener Stoff, nicht als heranziehender Ärger. Träume verwenden unabgeschlossene Gespräche weiter, und dafür holen sie sich die Person, mit der du am längsten redest.
Was, wenn sie auftauchte, aber nicht wie sie selbst aussah?
Das wird sehr oft berichtet und gilt Deutern als unauffällig. Träume erkennen Menschen viel eher an Rolle und Gefühl als am Gesicht, und die Gewissheit, dass sie es war, ist selbst schon die Information.

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