Von einem Hotel träumen

Ein bequemes Gebäude, das niemandem gehört: das Hotel steht für eine Phase auf Durchreise, mit deinen Sachen noch in der Tasche und nichts endgültig geregelt.

Ein Hotel ist eine Wohnung, die niemandem gehört, bequem und durch und durch vorläufig, und die Überlieferung nimmt das mehr oder weniger beim Wort. Weitergereicht wird die Bedeutung einer Zwischenphase: du wohnst vorerst irgendwo, deine Sachen liegen noch in der Tasche, und die Sache war nie auf Dauer angelegt. Ob der Traum angenehm oder unruhig ausfällt, folgt meist dem, wie du zu dieser Vorläufigkeit stehst.

Das Zimmer, das du nicht findest

Mit Abstand am häufigsten kommt der endlose Flur, die falsche Etage, der Schlüssel, der nichts aufsperrt. Gelesen wird das als Mühe ohne Ankunft, und es gehört zur selben Familie wie Zuspätkommen oder Suchen, alles Bilder eines Ziels, das immer einen Schritt zurückweicht. Merkenswert ist, wie du reagiert hast, denn geduldiges Absuchen liest sich ganz anders als wachsende Panik.

Lobbys, Fremde und fremdes Gepäck

Lobbys gelten als Schwellen, als Orte, an denen man weder draußen noch richtig drinnen ist, was sie zur natürlichen Bühne für Entscheidungen macht, die noch nicht gefallen sind. Ein Haus voller Unbekannter versteht man als gesellige Lage ohne feste Rollen, und meist zählt weniger die Menge als die Frage, ob dich jemand angesprochen hat. Jemanden bereits in deinem Zimmer vorzufinden, wird über Revier gelesen, über die Empfindung, dass ein Raum, der deiner heißt, alles andere als deiner ist.

Prunk, Schäbigkeit und was du daraus gemacht hast

Alte Quellen lesen das Grandhotel als Ehrgeiz und die heruntergekommene Pension als geschrumpfte Verhältnisse, ein Paar, das mehr über die Standesvorstellungen der Verfasser sagt als über den Schlaf. Deine eigene Reaktion führt weiter. Sich in einem schlichten Zimmer wohlzufühlen und in einer Marmorlobby unbehaglich, ist eine völlig gewöhnliche Verbindung, und sie sagt dir etwas.

Den Rest erledigt der Zusammenhang. Wer beruflich ständig unterwegs ist, für den liegt ein Hotelzimmer näher am Büro als am Abenteuer, und das ganze Bild verschiebt sich entsprechend. Wer zweimal im Leben in einem übernachtet hat, für den kann noch immer der Glanz eines Urlaubs daran hängen.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheidet sich das vom Traum über ein Haus?
Ein Haus wird meist als das Selbst und seine feste Bauweise gelesen, ein Hotel dagegen als Lage, durch die du gerade hindurchgehst. Dasselbe Schlafzimmer kann deshalb zweierlei bedeuten, je nachdem, in welchem der beiden Gebäude es liegt.
Warum träume ich von Hotels, obwohl ich nie verreise?
Das Bild braucht keine echten Reisen, denn es trägt Vorläufigkeit und nicht Tourismus. Beschrieben werden Hotelträume bei Umzügen, neuen Stellen, langen Aufenthalten bei Verwandten und in jeder Zeit, in der sich der Alltag geborgt anfühlt.

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