Hände stehen in der Deutungstradition für Handlungsfähigkeit, deshalb trägt ihr Zustand die Bedeutung: schmutzig, leer, gefesselt, verletzt oder an deinen Gelenken und trotzdem fremd.
Hände sind selten die Hauptsache eines Traums und trotzdem eines der Details, an die man sich am Morgen besonders scharf erinnert. Deuter lesen sie als Handlungsfähigkeit: was du tun kannst, was du gerade tust und was du anderen Menschen antust. Das meiste Gewicht trägt dabei der Zustand, in dem sie sich befinden, wenn sie dir im Traum auffallen.
Das Händewaschen hängt in der europäischen Überlieferung spätestens seit Lady Macbeth am Wunsch, von einer Schuld frei zu sein, und die Traumbücher haben den Gedanken mehr oder weniger direkt von der Bühne übernommen. Sichtbarer Schmutz wird auf derselben Linie gelesen, als Verwicklung in etwas, in das du lieber nicht verwickelt wärst.
Leere Handflächen, jemandem hingehalten, gelten als Bild dafür, nichts anbieten zu können, wo etwas erwartet wurde. Gebundene oder eingeklemmte Hände stehen für Einschränkung, besonders die Sorte, um die niemand gebeten hat. Hände, die an deinen Gelenken sitzen und trotzdem nicht deine sind, verbindet man mit Handeln gegen die eigene Art, und wer diese Fassung berichtet, nennt sie meist das Unheimlichste der ganzen Nacht.
Arme schlafen nachts mit ermüdender Regelmäßigkeit ein, meist weil eine Schulter ungünstig gelegen hat, und eine schwere oder kribbelnde Hand findet leicht ihren Weg in die Geschichte, die gerade läuft. Durch ein Ameisenlaufen hindurchzuschlafen genügt für sich genommen, um eine Szene über eine Gliedmaße hervorzubringen, die nicht gehorcht. Das ist eine Bemerkung darüber, wie Träume sich ihre Requisiten borgen, und keine über irgendeinen Menschen.
Was deine Hände beruflich tun, färbt das Bild stärker als jede Aufzählung: ein Maurer, eine Pflegerin und ein Pianist wachen aus derselben Szene mit drei verschiedenen Gefühlen auf. Verletzungen werden in diesem Zusammenhang als verlorene Fähigkeit gelesen und nie als Auskunft über deine Gesundheit, und an dieser Grenze lohnt es sich festzuhalten.
Am brauchbarsten ist die Erinnerung daran, wonach die Hände gegriffen haben. Träume von Händen, die etwas Bestimmtes tun, halten, ablehnen, anbieten, wegschieben, lassen sich weit leichter verwenden als Träume von Händen, die einfach da sind, weil die Bedeutung meistens im Tätigkeitswort steckt.


