Vom Gehen träumen

Niemand jagt dich, nichts brennt. Gehen gilt in der Überlieferung als Vorankommen aus eigener Kraft, und der Boden unter den Füßen trägt den größten Teil der Bedeutung.

Gehen ist das leiseste Bild im ganzen Lexikon und das, über das man am schnellsten hinwegliest. Genau deshalb lohnt es sich, es vom Rennen und vom Verfolgtwerden zu trennen: hier ist niemand hinter dir her. Überliefert wird das Gehen als Vorankommen aus eigener Kraft und im selbst gewählten Tempo, weshalb Ausleger darin eher eine Aussage darüber sehen, wie sich eine laufende Sache anfühlt, als darüber, ob sie gelingt.

Der Boden redet mit

Den meisten Fassungen der Deutung ist der Untergrund wichtiger als das Gehen selbst. Ein freier Weg, den du mühelos nimmst, gilt als Abschnitt, in dem die Dinge ungefähr so laufen, wie du es erwartet hast. Schlamm, tiefer Sand, Schnee oder Beine, die einfach nicht gehorchen wollen, gehören weltweit zu den am häufigsten berichteten Traumerfahrungen. Gelesen wird das als Anstrengung, die weniger einbringt, als sie kostet. Bergauf steht für Mühe, die man freiwillig auf sich nimmt. Bergab ist umstritten: mal sieht man darin die endlich eintretende Erleichterung, mal ein Tempo, das nicht mehr du bestimmst.

Wer neben dir läuft

Die Begleitung bildet die zweite Hälfte des Bildes. Neben jemandem herzugehen gilt seit langem als gemeinsame Richtung, und darum taucht das Bild so oft in Träumen von Partnerschaften und langen Freundschaften auf. Allein zu gehen kann Unabhängigkeit heißen oder Einsamkeit, und die Träumenden wissen fast immer, welches von beiden es war, auch wenn sie es nicht begründen können. Jemandem hinterherzulaufen, ohne je aufzuschließen, gehört dagegen zu den Verfolgungsträumen, und die folgen meist auf eine Zeit, in der etwas aufgeschoben wurde.

Deine Beine, deine Straßen

Wer täglich viele Kilometer zu Fuß macht, träumt von Landschaft und nicht von einem Symbol, und sollte den Traum auch so lesen. Für Menschen, deren Beweglichkeit sich verändert hat, kann freies Gehen im Schlaf zum Schönsten gehören, was eine Nacht zu bieten hat. Darüber gehört keine allgemeine Deutung gelegt. Fang damit an, was Gehen in deinem Leben tatsächlich bedeutet, und sieh dann nach, ob die Überlieferung noch etwas hinzuzufügen hat.

Häufig gestellte Fragen

Ist Gehen im Traum etwas anderes als Rennen?
In der Überlieferung ja. Rennen trägt Dringlichkeit und oft eine Verfolgung in sich, Gehen dagegen gilt als ruhige, selbst gewählte Bewegung ohne Druck dahinter. Derselbe Weg kann in beiden Träumen vorkommen und allein wegen des Tempos ganz verschieden gedeutet werden.
Was macht man aus einem Weg, den man in- und auswendig kennt?
Eine Strecke, die du blind gehen könntest, etwa die Straße deiner Kindheit oder ein früherer Arbeitsweg, wird meist als gedankliche Rückkehr in die Zeit gelesen, zu der sie gehört. Der Ort zählt dabei weniger als der Lebensabschnitt, für den er in deiner Erinnerung steht.

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