Regen und Glück in manchen Kulturen, Verwandlung in anderen. Die einzige Lesart, die überall trägt, ist der Wandel, und sie stammt vom Tier selbst.
Ein Frosch beginnt im Wasser und kann es später verlassen, und dieser Wechsel von einer Lebensform in die andere trägt fast die ganze Symbolik. Deshalb verbinden Ausleger das Tier mit Zeiten, in denen jemand gerade etwas anderes wird. Alles Weitere geht regional auseinander: mehrere Kulturen verknüpfen Frösche mit Regen, Fruchtbarkeit und gutem Ausgang, das europäische Märchen setzte auf Verwandlung, auf den Frosch, der sich als etwas ganz anderes herausstellt.
Frösche werden seltener geträumt als Hunde oder Schlangen, und entsprechend weniger Lehrgut hat sich angesammelt. Wer trotzdem eine einzige feste Bedeutung anbietet, wählt eine Kultur aus und nennt sie allgemein. Ehrlicher ist es, die Herkunft der Lesart dazuzusagen. Kaulquappen werden übrigens deutlich seltener erzählt als ausgewachsene Tiere, was schade ist, weil die überlieferte Deutung im frühen Stadium interessanter ausfällt.
Fast immer steht das Tier in einer feuchten Umgebung, und die färbt die Lesart mit. Ein Tümpel im Sommer, ein Teich im Garten, ein Graben nach tagelangem Regen: solche Bilder werden eher mit Fruchtbarkeit und mit Warten verbunden als mit Gefahr. Trockenheit dreht die Sache um, denn ein Frosch ohne Wasser gilt als etwas, dem die Bedingungen fehlen, unter denen es sich hält. Wer das Quaken aus der Kindheit kennt, bringt zudem eine Stimmung mit, die keine Symbolliste vorgeben kann.
In der Praxis entscheidet ohnehin deine eigene Reaktion. Wer Frösche putzig findet, und wer sie eklig findet, hat nicht dasselbe geträumt, auch wenn das Tier dasselbe war.


