Wasser, das angehalten hat, und deshalb wird das Bild auf Dinge gelesen, die festliegen, ob sich das nun nach Sicherheit anfühlt oder nach Feststecken.
Fang beim Schlafzimmer an, denn dieses Bild hat regelmäßig eine körperliche Ursache. Ein kühler Raum, eine weggestrampelte Decke oder ein Fenster, das im Februar offen geblieben ist, drückt Kälte in den Schlaf, und darum herum wird eine Szene gebaut. Ist das abgehakt, betrifft die überlieferte Deutung den Stillstand: Eis ist Wasser, das angehalten hat, und die Fläche wird auf einen Teil deines Lebens bezogen, der festliegt, ob sich das nun nach Sicherheit anfühlt oder nach Feststecken.
Welche dieser Fassungen dran war, wiegt schwerer als das Eis selbst, und die meisten haben es beim Aufschreiben sofort parat. Häufig bleibt außerdem ein Geräusch hängen, das Knacken unter dem Schritt oder das Tropfen an der Kante, und ältere Sammlungen halten solche Kleinigkeiten für aufschlussreicher als die Landschaft ringsum.
Die halbe Sprache der Gefühle ist ohnehin Temperatur. Eine Stimmung ist frostig, ein Empfang eisig, jemand taut endlich auf, ein anderer lässt dich kalt. Träume nehmen solche Wendungen beim Wort, und deshalb erscheint ein Streit, der in Schweigen übergegangen ist, nachts als zugefrorener See. Die Deutung folgt hier der Sprache der Gefühle und nicht dem Wetterbericht.
Wer als Kind auf zugefrorenen Weihern gelaufen ist, und wer noch nie gesehen hat, wie stehendes Wasser zufriert, träumen nicht von demselben Stoff. Für die einen ist Eis eine Fläche mit Regeln, jeden Winter geprüft und für tragfähig befunden. Für die anderen bleibt es eine ferne Gefahr aus dem Fernsehen. Deine eigene Erfahrung damit gibt den Ton vor, bevor irgendeine überlieferte Lesart zu Wort kommt.


