Vor jeder symbolischen Lesart steht bei diesem Traum ein handfester körperlicher Auslöser, denn ein großer Teil davon ist schlicht der Körper, der im Schlaf etwas möchte.
Dieser Traum hat eine körperliche Erklärung, die zuerst kommen sollte: Eine volle Blase spät in der Nacht erzeugt Badezimmerträume in großer Zahl, und viele, die davon berichten, werden schlicht vom eigenen Körper angestupst. Erst wenn das verrechnet ist, lohnt die symbolische Ebene, und dort dreht sich die überlieferte Deutung um Privatheit und um das Loswerden dessen, was du nicht mehr brauchst.
Am häufigsten berichtet wird nicht das Bad selbst, sondern die Unmöglichkeit, eines zu benutzen: keine Tür, ein kaputtes Schloss, eine zuschauende Schlange von Leuten, Kabinen mit fehlenden Wänden. Ausleger sehen darin Bloßstellung, also das Gefühl, keinen Ort mehr zu haben, an dem dich niemand sieht. Es taucht gehäuft bei Menschen in Wohngemeinschaften auf, in Großraumbüros und überall dort, wo etwas Persönliches öffentlich geworden ist.
Wer eine Zeit ohne eigenes Bad hinter sich hat, bringt ein ganz anderes Gewicht mit als jemand, dessen Tür sich immer abschließen ließ, und diese Geschichte ist der bessere Ausgangspunkt.
Steht das Waschen im Mittelpunkt, neigen die älteren Deutungen zum Wegräumen und nicht zu Reinheit in einem moralischen Sinn. Ein verstopfter oder überlaufender Abfluss gilt meist als etwas, das nicht in dem Tempo aus deinem Leben abfließt, das dir lieb wäre. Das sind Metaphern, die Traumtraditionen brauchbar fanden, keine Befunde, und über deine Gesundheit sagen sie nichts. Wer in einem Beruf arbeitet, in dem ständig Hygiene verlangt wird, bringt zu diesem Bild ohnehin eine andere Ladung mit als jemand, für den ein Bad einfach ein Raum unter mehreren ist.
Die endlose Suche, bei der jedes erreichte Bad unbenutzbar ist und du zum nächsten weiterziehst, wird so oft berichtet, dass sie als Standardtraum zählt und nicht als Ausnahme. Gelesen wird sie als Bedürfnis, das immer wieder aufgeschoben wird. Sie hört meist in dem Moment auf, in dem die schlafende Person aufwacht und sich um das Naheliegende kümmert.


