Rückläufige Planeten außer Merkur

Nicht nur Merkur: Auch Venus, Mars, Jupiter, Saturn und die langsamen äußeren Planeten laufen zeitweise scheinbar rückwärts, und jede dieser Phasen wird anders gedeutet.

Rückläufig wird jeder Planet, mit dem die Astrologie arbeitet, nicht bloß Merkur. Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto scheinen von der Erde aus regelmäßig für Wochen oder Monate rückwärts durch den Tierkreis zu ziehen, also durch das Band der zwölf Sternzeichen am Himmel. Nur Sonne und Mond tun das nie. Merkur hat lediglich den lautesten Ruf, und dabei ist seine Phase die kürzeste von allen.

Die Umkehr entsteht bei uns, nicht am Planeten

Kein Planet bremst ab, hält an und fährt zurück. Jeder zieht ununterbrochen in derselben Richtung um die Sonne, und was hier Rückläufigkeit heißt, ist eine Sache des Blickwinkels von einem Beobachtungsplatz aus, der selbst in Bewegung ist.

Bei allem, was weiter außen kreist als wir, von Mars bis Pluto, kommt der Eindruck dadurch zustande, dass die Erde vorbeizieht. Wir laufen die kürzere und schnellere Bahn, holen den langsameren Nachbarn also etwa einmal im Jahr ein und schieben uns innen an ihm vorbei. Während dieser Passage rutscht er für unsere Augen vor den Hintergrundsternen nach hinten, und sobald wir vorne heraus sind, löst sich der Eindruck wieder auf.

Daraus folgt etwas, das in den meisten Texten fehlt. Ein äußerer Planet steht ungefähr in der Mitte seiner rückläufigen Zeit der Erde am nächsten und der Sonne genau gegenüber; Astronomen nennen diese Stellung Opposition. Genau dann ist er am hellsten und die ganze Nacht über zu sehen. Rückläufiger Jupiter ist also kein geschwächter Jupiter, sondern der beste Jupiter des Jahres für ein Fernglas. Wenn Sternfreunde, also Amateurastronomen, eine Marsopposition ankündigen, steht in jedem astrologischen Kalender für dieselben Wochen ein rückläufiger Mars.

Bei Venus liegt es umgekehrt, weil ihre Bahn innerhalb der unseren verläuft. Sie kehrt um, während sie innen zwischen uns und die Sonne schlüpft, steht uns dabei besonders nah und zeigt im Teleskop eine schmale Sichel statt einer hellen Scheibe.

Wie oft welcher Planet umkehrt und wie lange

Der Takt hängt davon ab, wie sich das Tempo eines Planeten zu unserem verhält. Die nahen Nachbarn kehren selten um und fallen dafür auf, die fernen jedes Jahr und dafür ausgiebig.

  • Venus. Ungefähr alle neunzehn Monate, dann rund sechs Wochen lang. Die seltenste der gebräuchlichen Phasen und die, um die herum am sorgfältigsten geplant wird.
  • Mars. Etwa alle zwei Jahre und zwei Monate, dafür zwei bis zweieinhalb Monate am Stück. Zwischen zwei Phasen liegt hier die längste Pause.
  • Jupiter. Einmal in gut dreizehn Monaten, jeweils etwa vier Monate.
  • Saturn. Einmal im Jahr, ungefähr viereinhalb Monate.
  • Uranus und Neptun. Je einmal im Jahr, jeweils knapp fünf Monate.
  • Pluto. Einmal im Jahr, etwas über fünf Monate. Damit steht er mehr als ein Drittel jedes Jahres rückläufig.

Zählt man das zusammen, bekommt das Bild eine andere Form. An einem beliebigen Tag sind meist zwei oder drei Planeten gleichzeitig umgekehrt, und die Zeiträume ohne einen einzigen schrumpfen auf ein paar kurze Fenster im Jahr. Ungewöhnlich ist der leere Himmel, nicht der volle.

Warum rückläufig nicht schlecht heißen kann

Diese Zahlen räumen mit einer verbreiteten Annahme auf. Wäre die Umkehr eine Gefahr, dann wäre Pluto für alle Menschen mehr als ein Drittel jedes Jahres gefährlich. Ein Warnhinweis, der fast immer gilt, trägt keine Information mehr, und kein Deutungssystem übersteht es, den größten Teil des Kalenders für bedenklich zu erklären.

Astrologen, die mit den fernen Planeten arbeiten, gehen entsprechend damit um. Bei Uranus, Neptun und Pluto zählt die Umkehr als Hintergrundwetter und wird nur dort überhaupt gelesen, wo der Planet in einem einzelnen Geburtshoroskop, also der Himmelszeichnung für Geburtsstunde und Geburtsort, auf einem empfindlichen Punkt liegt. Selbst dann steht die Laufrichtung hinter der Position zurück. Die eigentliche Arbeit machen die nahen Körper: Merkur, Venus und Mars, dazu Jupiter und Saturn in milderer Form.

Was die Tradition in die einzelnen Planeten liest

Keine dieser Deutungen stammt aus einer Messung. Es sind überlieferte Sinnbilder, brauchbar als Überschriften zum Nachdenken, nicht als Ankündigung von Ereignissen.

Venus rückläufig gehört zu Zuneigung, Geld und Geschmack und gilt darum als Durchsicht dessen, was einem etwas wert ist. Bekannt ist vor allem die Fassung mit dem früheren Partner, der sich wieder meldet, und dem Kauf, den man hinterher bereut. Der übliche Rat lautet, Schmückendes und schwer Rückgängiges aufzuschieben: die Hochzeit, die große Renovierung, den neuen Haarschnitt. Begründet wird das damit, dass das eigene Urteil darüber, was gefällt, in diesen Wochen unruhig sei.

Mars rückläufig betrifft Antrieb und Durchsetzung. Gelesen wird die Zeit als Mühe, die nicht in Fahrt kommt: Vorhaben, die jetzt starten, sollen hängen bleiben, Streit soll kreisen, ohne anzukommen, und Ärger soll heruntergeschluckt statt ausgesprochen werden. Weil Mars nur alle gut zwei Jahre umkehrt und dann monatelang so bleibt, gilt er als die wirklich unbequeme Phase für alles, was anfangen soll.

Jupiter rückläufig dreht das Wachstum nach innen. Überliefert ist es als die Strecke, auf der man prüft, was man eigentlich glaubt und ob das, woran man baut, weiteren Ausbau verdient.

Saturn rückläufig gilt als Prüfung der Strukturen: Verpflichtungen, Disziplin, die Absprachen, die ein Leben aufrecht halten. Der vorwärts laufende Saturn wird als Druck von außen beschrieben, der umgekehrte als der Druck, den jemand sich selbst macht.

Mit rückläufigen Planeten geboren

Weil die fernen Planeten in jedem Jahr monatelang umgekehrt laufen, ist eine Geburt mit mehreren solchen Stellungen ganz gewöhnlich. In den meisten Geburtshoroskopen, also den Positionen aller Himmelskörper zur Stunde und am Ort der Geburt, steht mindestens einer rückläufig, oft sind es drei oder vier.

Gemeint ist damit ein Planet, der bei der Geburt umgekehrt lief, nicht einer, der heute umgekehrt läuft. Gedeutet wird eine solche Stellung als eine nach innen gedrehte Funktion. Ein rückläufiger Mars heißt dann Ärger, der unter der Oberfläche bleibt, eine rückläufige Venus Zuneigung, die spät oder umständlich gezeigt wird, ein rückläufiger Merkur ein Kopf, der still vorformuliert, bevor er redet. Meist wird ergänzt, die Sache reife langsam und nicht schlecht.

Dazu gehört der ehrliche Einwand, der für jede weit verbreitete Stellung gilt: Was auf einen großen Teil aller Menschen deines Geburtsjahrgangs zutrifft, sagt über dich persönlich wenig aus.

Wendetage und was ein Kalender bringt

Jede Phase beginnt und endet mit einer Station, also den Tagen, an denen ein Planet am Himmel fast auf der Stelle zu stehen scheint, bevor die Richtung umschlägt. Je weiter außen er kreist, desto zäher dieser Wechsel: Ein ferner Planet kann eine Woche und länger fast auf derselben Position verharren. Wer die äußeren Planeten verfolgt, achtet deshalb auf die Stelle des Tierkreises, an der sie hängen bleiben, und weniger auf ein einzelnes Datum.

Der praktische Umgang damit ist unspektakulär. Notiere Anfang und Ende, halte fest, wofür der jeweilige Planet zuständig sein soll, und lass die Deutung locker genug, dass eine normale schlechte Woche nicht als Beweis abgeheftet wird.

Zum Schluss ein Wort zur Physik. In der Astrologie gibt es wenig, das so gut geklärt wäre. Diese Rückwärtsschleifen waren die dauerhafte Verlegenheit des alten erdzentrierten Weltbilds, das für sie umständliche Zusatzkonstruktionen brauchte, und sie lösten sich in schlichtes Vorbeiziehen auf, sobald die Sonne in die Mitte rückte. Die Bewegung ist echt und lässt sich auf die Minute genau Jahrhunderte im Voraus berechnen. Was sie bedeutet, ist eine zweite Behauptung, und die stützt sich auf Überlieferung, nicht auf Messwerte.

Häufig gestellte Fragen

Welche Planeten werden rückläufig?
Alle bis auf Sonne und Mond. Von Merkur bis Pluto hat jeder Körper seinen eigenen Rhythmus, mit Phasen von rund drei Wochen bei den nahen bis über fünf Monate bei den fernen. Die beiden Lichter fallen heraus, weil die scheinbare Bahn der Sonne nichts anderes ist als die Erdbahn von innen gesehen, und weil der Mond uns tatsächlich nur in einer einzigen Richtung umkreist.
Wie oft ist Venus rückläufig?
Etwa alle neunzehn Monate, und jede Phase hält ungefähr sechs Wochen an. Damit ist sie die seltenste unter den viel beachteten Umkehrungen, weshalb ein einzelner Termin weit mehr Aufmerksamkeit bekommt als jede Merkurphase. Jede Phase fällt zudem in einen anderen Abschnitt des Tierkreises als die vorherige.
Ist Mars rückläufig schlimmer als Merkur rückläufig?
Astrologen halten es für schwerer zu umgehen, vor allem wegen der Länge. Mars bleibt zwei Monate und mehr umgekehrt, Merkur ungefähr drei Wochen, und Mars kommt nur alle zwei Jahre an die Reihe, was der Deutung mehr Raum zum Aufladen gibt. Ein Unglück sagt keine der beiden Phasen voraus; die Tradition hält sie lediglich für ungeeignet, um bestimmte Dinge zu beginnen.
Was heißt es, wenn bei meiner Geburt Planeten rückläufig waren?
Das kommt sehr häufig vor und gilt nicht als Makel. Üblicherweise wird gedeutet, der Planet arbeite nach innen, zeige sich im Privaten früher als nach außen und komme später zu seiner vollen Form. Weil die äußeren Planeten einen großen Teil des Jahres umgekehrt laufen, sagen mehrere solche Stellungen vor allem etwas über deinen Geburtsjahrgang aus.

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