Was ist ein Geburtshoroskop?

Eine Zeichnung des Himmels über deinem Geburtsort in der Minute deiner Geburt, und eine Führung durch alles, was in diesem Kreis eingetragen ist.

Ein Geburtshoroskop hält fest, wo Sonne, Mond und Planeten in der Minute deiner Geburt standen, gezeichnet für den Blickwinkel deines Geburtsortes. In deutschen Büchern heißt dasselbe Blatt oft Radix, nach dem lateinischen Wort für Wurzel, weil jede weitere astrologische Aussage über dich daraus abgeleitet wird. Es hält einen einzigen Augenblick fest und wird danach nie mehr aktualisiert.

Was daraus eine Karte macht und keine Liste, ist die Form. Gezeichnet wird ein Kreis, und dieser Kreis ist der gesamte Himmel rund um deinen Geburtsort: die Hälfte, die du hättest sehen können, und die Hälfte darunter, flach auf ein Blatt Papier gebracht.

Die drei Bausteine, aus denen jede Aussage besteht

Fast jeder Satz, den jemand aus so einem Blatt vorliest, setzt sich aus drei Teilen zusammen. Wer diese drei auseinanderhalten kann, versteht auf einen Schlag den größten Teil der astrologischen Literatur.

  • Die Planeten. Sonne, Mond und die Planeten des Sonnensystems, jeder steht für eine Art von Tätigkeit: wählen, fühlen, reden, antreiben, aufbauen. Sonne und Mond zählt die Astrologie aus alter Gewohnheit mit, obwohl astronomisch keiner von beiden ein Planet ist.
  • Die Tierkreiszeichen. Zwölf gleich große Abschnitte des Himmelsbandes, an dem die Sonne im Lauf eines Jahres entlangzuwandern scheint. Dass ein Planet in einem Zeichen steht, heißt zunächst nur, dass er in diesen Abschnitt fiel; gedeutet wird das Zeichen als die Art und Weise, in der er arbeitet.
  • Die Häuser, also die zwölf Lebensbereiche. Das sind Abschnitte des Kreises selbst, die nicht an den Sternen hängen, sondern an deinem Horizont, und die traditionell je einem Feld zugeordnet werden: Geld, Wohnen, Arbeit, Partnerschaft. Weil sie am Horizont hängen, brauchen sie Uhrzeit und Ort, nicht bloß den Kalendertag.

Eine Deutungszeile ist meistens genau diese Stapelung: welcher Planet, in welchem Zeichen, in welchem Lebensbereich. Also welche Tätigkeit, in welchem Stil, in welcher Abteilung des Lebens. Sobald die Grammatik sitzt, wird astrologischer Text lesbar, auch die Passagen, denen du am Ende widersprichst.

Warum das Ganze ein Kreis ist

Stell dir vor, du stündest in der Minute deiner Geburt im Freien und drehtest dich langsam einmal um die eigene Achse. Alles über dir, dazu alles, was unter dem Boden verborgen liegt, steht in diesem Kreis. Die Linie des Horizonts läuft quer hindurch.

Der linke Rand ist Osten, dort steigen die Himmelskörper herauf. Der rechte Rand ist Westen, dort verschwinden sie wieder. Oben liegt ungefähr der Punkt über deinem Kopf, die untere Hälfte zeigt den Himmel auf der Gegenseite der Erde, unsichtbar und trotzdem mitgezählt. Ein Planet ganz unten war also unter deinen Füßen, nicht abwesend.

Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Zwei Blätter für denselben Kalendertag können völlig verschieden aussehen. Die Planeten verschieben sich in ein paar Stunden kaum, aber der Kreis dreht sich täglich einmal ganz herum. Dieselben Planeten landen dadurch je nach Uhrzeit an ganz anderen Stellen der Zeichnung.

Was hineingehen muss, damit etwas herauskommt

Drei Angaben, mehr nicht. Das Datum setzt die Sonne und liefert für die langsamen äußeren Planeten, von denen manche Jahre für ein einziges Zeichen brauchen, eine ausreichend genaue Position. Die Uhrzeit setzt den Mond, der alle zwei Tage weiterrückt, und sie bestimmt die Drehung des Kreises, an der die Lebensbereiche hängen. Der Ort setzt den Horizont, denn derselbe Himmel steht über Lissabon anders als über Hamburg.

Zwei Kleinigkeiten führen dabei regelmäßig in die Irre.

  • Die Uhrzeit. Gefragt ist die Zeit, die an deinem Geburtsort auf der Uhr stand, samt der Sommerzeitregel, die damals galt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit durchgehend erst seit 1980, davor gab es sie nur in einzelnen Jahren. Rechne nichts selbst um, ein sauber gebauter Rechner erledigt das.
  • Der Ort. Gefragt ist die Stadt der Geburt, nicht der Ort, an dem du aufgewachsen bist. Bei Geburten im Krankenhaus der Nachbarstadt fällt das gern unter den Tisch, obwohl es die halbe Zeichnung verschiebt.

In welcher Reihenfolge man so ein Blatt liest

Eine vollständige Zeichnung enthält Dutzende Einzelangaben, und niemand nimmt die auf einmal auf. Es gibt eine vernünftige Reihenfolge.

Beginne mit Sonne, Mond und dem Zeichen, das bei deiner Geburt im Osten aufging. Diese drei decken zusammen ab, was dich antreibt, wie du im Privaten bist und wie du auf Fremde wirkst. Danach kommt die Verteilung auf die vier Elemente: Zähl, wie viele Himmelskörper in den Feuer-, Erd-, Luft- und Wasserzeichen liegen, und achte ebenso auf das, was fehlt, wie auf das, was sich häuft.

Als Nächstes die Verteilung im Kreis selbst. Sitzt fast alles in einem Viertel, liest die Tradition das als Leben, das sich auf wenige Felder konzentriert. Liegt alles gleichmäßig verteilt, als Kraft, die in viele Richtungen gleichzeitig geht.

Erst danach lohnen sich die Aspekte, also die Winkel, die zwei Planeten auf dem Kreis miteinander bilden und die in Grad gemessen werden. Gelesen werden sie als Frage, ob zwei Teile des Bildes bequem zusammenarbeiten oder aneinander scheuern. Sie sind wirklich nützlich, und sie sind zugleich die Stelle, an der Anfänger verloren gehen. Heb dir die auf, bis der Grundriss ohne Nachdenken sitzt.

Was überprüfbar ist und was Deutung bleibt

Die Astronomie darin ist echt und nachrechenbar. Die Positionen stammen aus denselben Tabellen, mit denen Finsternisse vorausberechnet und Schiffe navigiert wurden, und ein sauber gebauter Rechner trifft die Angaben einer Sternwarte auf Bruchteile eines Grades genau. An der Messung selbst ist nichts vage.

Die Bedeutungen sind eine andere Sache. Sie sind eine Deutungstradition, über sehr lange Zeit zusammengetragen, und keine durch Untersuchungen gesicherten Befunde. Kein Blatt sagt dir, was geschehen wird oder was du zu tun hast.

Ehrlich betrachtet liegt der Nutzen in der Struktur. Du bekommst einen Wortschatz für die eigenen Widersprüche, und besonders gut benennt so eine Zeichnung den Abstand zwischen dem Menschen, den andere kennenlernen, und dem, der du im Alleinsein bist. Ob die Symbolik darüber hinaus etwas trägt, darfst du ruhig offenlassen, während du damit arbeitest.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Geburtshoroskop dasselbe wie eine Radix?
Ja, beide Wörter meinen dasselbe Blatt: die Himmelspositionen für einen Augenblick an einem Ort. Ältere Bücher nennen es schlicht Horoskop, was ursprünglich genau diese Zeichnung bezeichnete und nicht die Spalte in der Zeitung. Heute setzt sich Geburtshoroskop durch, weil dabei am wenigsten Missverständnisse entstehen.
Warum stimmen bei zwei Anbietern die Zeichen überein, die Lebensbereiche aber nicht?
Weil es mehr als eine anerkannte Methode gibt, den Kreis in die zwölf Felder zu teilen, und die Methoden weichen voneinander ab, besonders bei Geburten weit im Norden. Planeten und Zeichen sind Astronomie und stimmen überall überein. Die Grenzen der Felder sind dagegen Konvention. Entscheide dich für ein System und bleib dabei, statt mehrere nebeneinander zu sammeln.
Ändert sich mein Geburtshoroskop mit den Jahren?
Nie. Es hält eine einzige Minute fest und bleibt lebenslang unverändert. Was Astrologen über die Zeit verfolgen, ist die weiterlaufende Bewegung der Planeten im Vergleich zu dieser festen Aufnahme, dafür gibt es das Wort Transit. Das ist eine zweite Rechnung, die über die erste gelegt wird.
Kann man auch für etwas anderes als einen Menschen eine solche Karte zeichnen?
Ja, denn die Rechnung braucht nur einen Zeitpunkt und einen Ort. Traditionell werden Karten für die Gründung einer Firma, einen Stapellauf, eine Hochzeit oder die Ausrufung eines Staates gestellt. Die Mathematik ist dieselbe, angepasst wird nur die Deutung, je nachdem was in diesem Moment begonnen hat.

Weiterlesen