Die Planeten und wofür sie stehen

Von Sonne und Mond über Merkur bis hinaus zu Pluto je ein Satz, dazu der Grund, warum im Alltag fast immer nur die schnellen Planeten vorkommen.

Zehn Himmelskörper gelten in der Astrologie als Planeten: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Jeder von ihnen steht für eine andere Funktion, für ein Bedürfnis oder eine Fähigkeit, und das Zeichen, in dem er bei einer Geburt stand, färbt nach dieser Lesart die Art, wie diese Funktion bei dem betreffenden Menschen arbeitet.

Warum Sonne und Mond mitgezählt werden

Das Wort Planet kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Wanderer. Wer ohne Fernrohr nach oben schaut, sieht Nacht für Nacht dieselben Sternbilder an derselben Stelle, dazu eine Handvoll Lichter, die sich vor diesem festen Hintergrund verschieben. Diese Wanderer waren die Planeten, und die beiden hellsten davon waren Sonne und Mond.

Die Astronomie hat die Objekte längst sauber sortiert: Die Sonne ist ein Stern, der Mond ein Begleiter der Erde, und Pluto wurde 2006 zum Zwergplaneten herabgestuft. Die alte Liste blieb trotzdem stehen, weil sie nie eine Aussage über Physik war, sondern eine Aufzählung der beweglichen Lichter. Sonne und Mond heißen in der Fachsprache die beiden Lichter, damit klar bleibt, dass sie sich vom Rest der Liste unterscheiden.

Die schnelle Gruppe

Fünf der zehn bewegen sich rasch genug, dass sie bei zwei Menschen aus derselben Jahreszeit schon verschieden ausfallen. Man nennt sie persönliche Planeten, weil sie von Person zu Person wechseln und nicht erst von Jahrgang zu Jahrgang.

  • Die Sonne bleibt etwa einen Monat pro Zeichen und steht für den Antrieb: das, worin du gut werden willst, das Thema, auf das du immer wieder zurückkommst. Diese Angabe kennt jeder von sich, weil das Geburtsdatum allein sie verrät.
  • Der Mond braucht für ein Zeichen etwas mehr als zwei Tage und für alle zwölf rund siebenundzwanzig. Er gilt als die Reflexschicht: was du brauchst, um zur Ruhe zu kommen, und wie du reagierst, bevor du über das Reagieren nachdenken konntest.
  • Merkur hat mit Denken und Sprechen zu tun, also damit, wie du Neues aufnimmst, sortierst und wieder herausgibst. Von der Erde aus gesehen entfernt er sich nie weiter als etwa achtundzwanzig Grad von der Sonne, deshalb landet er immer in deinem Sonnenzeichen oder in einem der beiden direkt daneben.
  • Venus steht für Geschmack und Anziehung: was du angenehm findest, was dir etwas wert ist, wie du dich angenehm machst. Ihr Abstand zur Sonne bleibt unter rund siebenundvierzig Grad, sie hält sich also im Bereich von zwei Zeichen um dein Sonnenzeichen herum auf.
  • Mars braucht für ein Zeichen ungefähr sechs Wochen und steht für Tatkraft: wie du zupackst, wie du streitest, was du tust, wenn etwas zwischen dir und deinem Ziel steht.

Weil diese fünf innerhalb von Tagen und Wochen weiterrücken, können zwei Menschen mit vierzehn Tagen Abstand dasselbe Sonnenzeichen haben und sonst nichts aus dieser Gruppe teilen. Der größte Teil des Unterschieds zwischen zwei Horoskopen entsteht genau hier.

Jupiter und Saturn geben den Takt

Jupiter ist rund zwölf Jahre unterwegs, also ungefähr ein Jahr pro Zeichen, und kehrt mit zwölf, vierundzwanzig, sechsunddreißig und achtundvierzig an seinen Ausgangspunkt zurück. Gedeutet wird er als Ausdehnung: wo du großzügig bist, wo du dich übernimmst, wo du davon ausgehst, dass es schon irgendwie gut geht. Demselben Stand wird einmal Glück angerechnet und einmal Maßlosigkeit vorgeworfen, und oft ist das dasselbe Verhalten aus zwei Entfernungen betrachtet.

Saturn braucht etwa neunundzwanzig Jahre für seinen Umlauf, das ergibt zweieinhalb Jahre pro Zeichen. Er steht für Grenzen, Struktur und den Preis der Dinge. Kommt er zum ersten Mal wieder an der Stelle an, an der er bei der Geburt stand, meist zwischen achtundzwanzig und dreißig, spricht die Tradition von der Saturnrückkehr und liest sie als Prüfung, ob die Einrichtung des eigenen Lebens für ein Erwachsenenleben taugt. Beide zusammen heißen soziale Planeten, weil sie Lebensabschnitte markieren statt Stimmungen oder Altersgruppen.

Die drei weit draußen

Uranus, Neptun und Pluto sind mit bloßem Auge nicht zu sehen, und die ältere Astrologie kannte sie nicht. Uranus wurde 1781 entdeckt, Neptun 1846 und Pluto 1930. Alle drei kriechen so langsam durch den Tierkreis, dass dein eigener Jahrgang und mehrere Jahrgänge davor und danach denselben Stand mitbringen.

  • Uranus braucht rund vierundachtzig Jahre für einen Umlauf, das sind gut sieben Jahre pro Zeichen. Gelesen wird er als Bruch und Eigensinn: die Absage, der Abbruch, die Kursänderung, mit der niemand gerechnet hat.
  • Neptun ist etwa hundertfünfundsechzig Jahre unterwegs, rund vierzehn Jahre pro Zeichen. Sein Gebiet ist alles mit weichen Rändern: Vorstellungskraft, Sehnsucht, Täuschung, der Wunsch, in etwas Größerem aufzugehen.
  • Pluto braucht ungefähr zweihundertachtundvierzig Jahre und kommt sehr ungleichmäßig voran, weil seine Bahn stark von der Kreisform abweicht. In einem Zeichen sitzt er zwölf Jahre, in einem anderen über dreißig. Er steht für Macht, Zwang und die Sorte Veränderung, nach der die frühere Fassung von einem selbst nicht mehr zu haben ist.

Deshalb beschreibt ein Stand wie Neptun im Skorpion einen Jahrgangsblock von vierzehn Jahren und keinen einzelnen Menschen. Persönlich werden diese drei erst, wenn sie im Tierkreis dicht bei etwas Schnellem stehen, etwa bei der Sonne oder beim Aszendenten, also bei dem Punkt, der bei deiner Geburt gerade am östlichen Rand des Himmels aufstieg.

Planet und Zeichen zusammenlesen

Die Faustregel lautet: Der Planet ist das Verb, das Zeichen die Art und Weise. Mars ist das Zupacken. Mars im Zeichen Waage packt zu, indem er verhandelt, Mars im Widder, indem er vorprescht, und keine der beiden Fassungen ist die richtige. Was in Beschreibungen als schwieriger Stand auftaucht, ist meistens nur eine Funktion, die ihre Arbeit in einem Stil erledigt, der etwas kostet.

Zwei weitere Schichten verändern die Deutung, und beide gehören zum vollständigen Horoskop, nicht zu einem einzelnen Planeten: die Häuser, also die zwölf Abschnitte des Himmels, hinter denen jeweils ein Lebensbereich steht, und die Aspekte, also die Winkelabstände von je zwei Planeten zueinander. Für die Häuser wird die Geburtszeit auf die Minute gebraucht, weil sie sich mit der Erddrehung im Lauf eines Tages komplett verschieben.

Was die Tradition behauptet und was nicht

Diese Bedeutungen sind überliefert, nicht gemessen. Vom Planeten Mars geht nichts aus, was jemanden wütend macht. Die Zuordnungen sind über Jahrhunderte aus Mythologie, geliehener Symbolik und wiederholtem Hinsehen zusammengewachsen, nicht aus Versuchsreihen. Am ehesten hält man sie als Wortschatz aus: zehn Überschriften, die einen Menschen entlang brauchbarer Linien aufteilen.

So gelesen lohnt sich die Liste, denn die Einteilung ist klug gewählt. Etwas wollen, es verfolgen, es genießen und es erklären sind vier verschiedene Fähigkeiten, und die meisten Leute sind in manchen davon merklich besser als in anderen. Zu weit geht die Tradition dort, wo sie von der Beschreibung zur Voraussage wechselt. Ein Planet in einem Zeichen sagt dir nicht, was der kommende Monat bringt.

Häufig gestellte Fragen

Mit wie vielen Planeten arbeitet die Astrologie?
In der üblichen westlichen Praxis mit zehn, Sonne und Mond eingerechnet und Pluto behalten. Vor der Erfindung des Fernrohrs waren es sieben, weil Uranus, Neptun und Pluto noch niemand kannte. Manche Astrologen nehmen zusätzlich Chiron oder einzelne Asteroiden dazu, das ist aber eine Erweiterung und nicht der Standard.
Brauche ich meine Geburtszeit für die Planetenstände?
Für die meisten nicht. Alles ab Mars nach außen bleibt Wochen oder Jahre im selben Zeichen, da genügt das Datum. Die Ausnahme ist der Mond, der alle zwei bis drei Tage weiterspringt, sodass ihn eine Rechnung ohne Uhrzeit auf die falsche Seite einer Grenze setzen kann.
Zählt Pluto noch, obwohl er nur ein Zwergplanet ist?
Die meisten Astrologen haben ihn behalten. Bei der Neueinstufung von 2006 ging es darum, ob Pluto seine Bahnumgebung von anderen Objekten freigeräumt hat, und das ist eine astronomische Frage, keine symbolische. Ein Teil der traditionell arbeitenden Astrologen hat ihn ohnehin nie verwendet und tut es weiterhin nicht.
Was unterscheidet einen persönlichen von einem Generationsplaneten?
Nur das Tempo. Wer in Tagen oder Wochen das Zeichen wechselt, kann dich von jemandem aus demselben Monat unterscheiden und gilt deshalb als persönlich. Wer sieben oder vierzehn Jahre stehen bleibt, beschreibt deine ganze Altersgruppe auf einmal und sagt für sich genommen wenig über dich.

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