Die zweite Einteilung des Tierkreises neben den Elementen: Kardinale Zeichen stoßen etwas an, fixe halten daran fest, veränderliche bauen es unterwegs wieder um.
Kardinal, fix und veränderlich heißen die drei Gruppen, in die der Tierkreis ein zweites Mal aufgeteilt wird, und der Maßstab dafür ist die Jahreszeit. Kardinale Zeichen liegen an deren Anfang, fixe in der ausgebauten Mitte, veränderliche am Ende, wenn die nächste Jahreszeit schon durchscheint. Aus dieser Lage im Jahr leitet die Deutung ab, an welcher Stelle einer Sache jemand am liebsten steht.
Der Tierkreis der westlichen Astrologie hängt am Lauf der Sonne durch das Jahr, und dieses Jahr hat vier Wendepunkte: die beiden Tagundnachtgleichen, an denen Tag und Nacht ungefähr gleich lang sind, sowie die beiden Sonnenwenden, den längsten und den kürzesten Tag. Genau dort beginnen Widder, Krebs, Waage und Steinbock, auf der Nordhalbkugel also mit Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winteranfang. Weil jedes von ihnen eine Jahreszeit aufstößt, heißt die Gruppe kardinal, nach dem lateinischen Wort cardo für Türangel.
Der Monat nach jeder Eröffnung ist der Teil der Jahreszeit, der wirklich angekommen ist. Dort sitzen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann, die fixen Zeichen. Der letzte Monat, in dem das Licht bereits zur nächsten Jahreszeit hin kippt, gehört Zwillingen, Jungfrau, Schütze und Fischen. Sie heißen veränderlich, was das lateinische mutabilis übersetzt.
Ein Vorbehalt gehört dazu, bevor es an die Beschreibungen geht. Dieses Bild stammt von der Nordhalbkugel, weil das System dort aufgeschrieben wurde. Südlich des Äquators laufen die Jahreszeiten umgekehrt, während die Gruppen unverändert bleiben, und darüber sind sich Astrologinnen und Astrologen bis heute nicht einig. Die übliche Antwort lautet, gemeint sei ein Muster aus Anfangen, Halten und Weitergeben und kein Bericht über das Wetter vor der Tür.
Widder, Krebs, Waage und Steinbock gelten als die Anstoßgeber des Tierkreises. Gemeint ist nicht Tatkraft im Allgemeinen, sondern die Bereitschaft, den ersten Zug zu machen, solange eine Lage noch ungeformt ist und sich niemand auf irgendetwas geeinigt hat. Bei einer Vereinsgründung ist das die Person, die zur ersten Sitzung einlädt.
Was jemand eröffnet, hängt vom Element darunter ab. Der Widder eröffnet eine Handlung, der Krebs eine Bindung, die Waage ein Gespräch zwischen zwei Leuten, der Steinbock eine Ordnung, die alle Beteiligten überdauern soll. Der Vorwurf an diese Gruppe ist das Spiegelbild ihrer Stärke: viel Appetit auf das erste Stück und deutlich weniger auf die lange Mitte, wenn der Reiz weg ist und Arbeit nur noch Arbeit bleibt.
Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann tragen eine Jahreszeit, wenn sie in vollem Gang ist, und stehen für das Durchhaltevermögen des Tierkreises. Sie decken die Phase ab, in der die Aufregung längst verflogen ist, also genau den Punkt, an dem die meisten Anfänge still scheitern. Im Verein ist das die Person, die den Kassenbericht auch im zehnten Jahr abliefert.
Auch hier färbt das Element ab. Der Stier hält einen Ablauf und ein Maß an Behaglichkeit, der Löwe eine Rolle samt der Treue, die daran hängt, der Skorpion eine Bindung über den Punkt hinaus, an dem sie bequem bleibt, der Wassermann eine Haltung, auch wenn der ganze Raum anderer Meinung ist. Die bekannte Klage lautet Sturheit. Ein fixes Zeichen, das sich entschieden hat, braucht viel Überzeugungsarbeit, und dieselbe Eigenschaft, die es verlässlich macht, macht es langsam beim Zugeben eines Sinneswandels.
Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische sitzen am Ende jeder Jahreszeit, in den Wochen, in denen nichts stabil ist, und gelten als die Anpasser. Ein kardinales Zeichen ist gut auf dem leeren Blatt, ein fixes gut auf der langen Strecke, ein veränderliches gut in der Überarbeitung. Es merkt, dass sich die Bedingungen verschoben haben, und stellt um, bevor daraus ein Problem wird.
Die Zwillinge passen sich an, indem sie mehr Auskünfte einholen, die Jungfrau, indem sie die eine Kleinigkeit korrigiert, die nicht stimmt, der Schütze, indem er den Rahmen so weit macht, dass die Sache kleiner aussieht, die Fische, indem sie die Stimmung aufnehmen und mitgehen. Die überlieferte Schwäche ist die fehlende Grenze. Anpassungsfähigkeit weit genug getrieben wird zur Zersplitterung, und ein veränderliches Zeichen kann lange an einem Plan schrauben, den es besser einfach fertig gemacht hätte.
Vier Elemente mal drei Qualitäten ergibt zwölf, und jede Kombination kommt im Tierkreis genau einmal vor. Fixes Wasser ist der Skorpion und kann nichts anderes sein. Kardinales Feuer ist der Widder, veränderliche Erde ist die Jungfrau. Wer das Paar nennt, hat das Zeichen genannt, ohne Überschneidung und ohne Rest.
Deshalb liest man beide Einteilungen zusammen. Das Element sagt, womit ein Zeichen arbeitet, ob mit Gefühl, Material, Gedanken oder Tat. Die Qualität sagt, welchen Abschnitt der Arbeit es bevorzugt. Zwei Feuerzeichen können sich im Alltag völlig unähnlich sein, weil das eine Feuer entzündet und das andere es am Brennen hält.
Im Kreis hat die Sache sogar eine Form. Die vier Zeichen einer Qualität stehen gleichmäßig verteilt, jeweils drei Schritte voneinander entfernt, und ergeben ein Quadrat. Die drei Zeichen eines Elements liegen vier Schritte auseinander und ergeben ein Dreieck. Zwei Zeichen teilen sich nie beides, und das ist der ordentliche Teil des Aufbaus.
Ein einzelnes Zeichen hat eine Qualität, damit ist die Sache erledigt. Ein Geburtshoroskop dagegen, das den Himmel über deinem Geburtsort im Moment deiner Geburt festhält, verteilt Sonne, Mond und Planeten auf alle zwölf Zeichen gleichzeitig. Diese Verteilung kann deutlich in eine Richtung kippen, und das Übergewicht sagt oft mehr aus als jeder einzelne Eintrag darin.
Ein kardinal betontes Horoskop wird als eines beschrieben, das viele Anfänge produziert. Ein fixes Übergewicht liest sich als Haltbarkeit mit großem Wendekreis, ein veränderliches als Wandlungsfähigkeit mit zu wenig Ankern. Eine Gruppe gar nicht besetzt zu haben ist häufig und gilt nicht als Mangel, sondern als Bereich, den jemand gern bei anderen ausleiht.
Zum Schluss die nüchterne Einordnung. Die drei Gruppen sind ein Sortierwerkzeug und eine Sprache dafür, wie jemand durch eine Aufgabe geht. Sie messen nichts und sagen nichts voraus. Als Sprache lohnen sie sich trotzdem, weil sie einen echten Unterschied benennen: den zwischen einem Menschen, der in der ersten Woche großartig ist, und einem, der im sechsten Monat großartig ist.


