Die Mondphasen der Reihe nach

Alle acht Phasen in ihrer festen Reihenfolge, was am Himmel jeweils zu sehen ist und warum ein kompletter Durchlauf dafür rund 29,5 Tage braucht.

Die acht Mondphasen laufen immer in derselben Reihenfolge ab: Neumond, zunehmende Sichel, erstes Viertel, zunehmender Dreiviertelmond, Vollmond, abnehmender Dreiviertelmond, letztes Viertel, abnehmende Sichel und dann wieder Neumond. Ein kompletter Durchlauf braucht rund 29,5 Tage, und aus dieser Spanne ist der Monat als Zeiteinheit hervorgegangen.

Wodurch die Formen entstehen

Sonnenlicht trifft in jedem Augenblick genau eine Hälfte des Mondes, so wie es genau eine Hälfte der Erde trifft. Diese helle Hälfte ist ununterbrochen vorhanden. Was sich ändert, ist allein der Anteil davon, den wir von hier aus zu Gesicht bekommen.

Während der Mond um uns herumläuft, schwenkt unser Blick auf diese helle Fläche einmal komplett herum: erst von hinten, dann von der Seite, dann von vorn. Liegt der Mond ungefähr zwischen Erde und Sonne, schauen wir auf die unbeleuchtete Seite und sehen gar nichts. Liegt die Erde in der Mitte, zeigt die helle Fläche direkt zu uns, und die Scheibe ist rund. Alle Formen dazwischen sind Teilansichten derselben, immer zur Hälfte beschienenen Gesteinskugel.

Was die Phasen ausdrücklich nicht sind: der Schatten der Erde auf dem Mond. Den gibt es zwar, aber nur gelegentlich und nur bei Vollmond, und er heißt Mondfinsternis. Die monatlichen Formen dagegen sind reine Blickwinkelsache.

Die acht Phasen der Reihe nach

Die Tagesangaben unten sind Näherungen, denn der Wechsel läuft fließend und nicht in acht Sprüngen. Nur vier der acht haben einen genauen Zeitpunkt: der Neumond, die beiden Viertel und der Vollmond. Die übrigen vier sind die Strecken dazwischen.

  • Neumond, Tag 0. Die helle Seite zeigt von uns weg. Der Mond steht tagsüber am Himmel, dicht bei der Sonne, und ist praktisch nicht auszumachen.
  • Zunehmende Sichel, Tag 1 bis 6. Kurz nach Sonnenuntergang steht ein schmaler Streifen tief im Westen und geht bald darauf unter. Von Abend zu Abend wird er breiter.
  • Erstes Viertel, etwa Tag 7. Die halbe Scheibe leuchtet. Bei Sonnenuntergang steht der Mond bereits hoch, um Mitternacht herum geht er unter.
  • Zunehmender Dreiviertelmond, Tag 8 bis 14. Mehr als halb beleuchtet, aber noch nicht rund, und hell genug, um ein Straßenschild zu lesen. Aufgang am Nachmittag.
  • Vollmond, etwa Tag 15. Die ganze sichtbare Seite leuchtet. Er kommt herauf, wenn die Sonne untergeht, bleibt die Nacht über oben und verschwindet gegen Morgen.
  • Abnehmender Dreiviertelmond, Tag 16 bis 21. Jetzt schrumpft er von der anderen Seite her. Er geht jeden Abend später auf und steht erst weit nach Mitternacht am höchsten.
  • Letztes Viertel, etwa Tag 22. Wieder halb beleuchtet, aber die andere Hälfte als beim ersten Viertel. Aufgang um Mitternacht herum, und nach Sonnenaufgang hängt er noch am Morgenhimmel.
  • Abnehmende Sichel, Tag 23 bis 29. Ein schrumpfender Streifen tief im Osten vor Sonnenaufgang, bis er im Dämmerlicht verschwindet und alles von vorn beginnt.

Was die Namen sagen

Zunehmend und abnehmend erklären sich von selbst: Alles vom Neumond bis zum Vollmond nimmt zu, alles vom Vollmond an wieder ab. Sichel heißt jede Form, bei der weniger als die Hälfte leuchtet. Dreiviertelmond meint alles, was mehr als halb, aber noch nicht ganz beleuchtet ist; in Fachtexten steht dafür gibbös, von einem lateinischen Wort für gewölbt.

Die eigentliche Stolperstelle ist das Viertel. Im Kalender steht erstes Viertel, am Himmel ist ein Halbmond zu sehen, und das wirkt wie ein Widerspruch. Gemeint ist der Stand im Zyklus: Der Mond hat ein Viertel des Weges hinter sich. Wie viel von der Scheibe leuchtet, sagt der Name überhaupt nicht.

Hinter den Aufgangszeiten in der Liste steckt ebenfalls ein Muster. Der Mond kommt jeden Tag rund 50 Minuten später über den Horizont. Deshalb wird aus der Sichel, die am frühen Abend im Westen steht, vierzehn Tage später ein Anblick kurz vor Sonnenaufgang. Am Mond selbst ändert sich dabei nichts, er ist bloß aus dem Takt unserer Uhren gelaufen.

Warum die Sichel je nach Standort anders kippt

Auf der Nordhalbkugel, also auch über Deutschland, leuchtet die zunehmende Sichel am rechten Rand und die abnehmende am linken. Genau dort setzt die verbreitete Merkregel an: Eine links helle Sichel lässt sich in Gedanken zu einem kleinen a ergänzen wie in abnehmend, eine rechts helle zu einem z wie in zunehmend.

Südlich des Äquators stimmt das nicht mehr. Wer in Australien, Chile oder Südafrika steht, blickt gegenüber jemandem in Europa gewissermaßen kopfüber auf denselben Mond, und die helle Kante liegt auf der anderen Seite. In Kenia oder Indonesien wiederum liegt die Sichel häufig unten wie eine Schale, und die Regel hilft dort überhaupt nicht weiter. Umgekehrt verrät ein Mondfoto, aus welchem Teil der Erde es stammt.

Warum die Termine im Kalender wandern

Ein Kalendermonat hat 28 bis 31 Tage, der Phasenzyklus rund 29,5, und beide verschieben sich deshalb dauerhaft gegeneinander. Ein Vollmond am 20. eines Monats fällt im nächsten auf den 18. oder 19. In einen langen Monat passen gelegentlich zwei Vollmonde, und daher stammt die populäre Rede vom blauen Mond, die mit der Farbe des Mondes nichts zu tun hat.

Kurioser ist die Länge selbst. Für eine Runde um die Erde braucht der Mond rund 27,3 Tage, gemessen an den Sternen im Hintergrund, bis zur gleichen Phase aber rund 29,5. Der Unterschied kommt daher, dass die Erde inzwischen ein Stück auf ihrer Bahn um die Sonne weitergezogen ist. Der Mond muss also noch ein wenig weiter laufen, bis derselbe Winkel zum Sonnenlicht wieder erreicht ist.

Wie die Deutung den Bogen liest

Die astrologische Tradition nimmt die acht Phasen als einen zusammenhängenden Bogen und nicht als acht Einzelereignisse. Die zunehmende Hälfte, vom ersten Streifen bis zur vollen Scheibe, steht für Aufbauen, Hinzufügen und Ingangsetzen. Die abnehmende Hälfte steht für Fertigmachen, Überarbeiten, Aufräumen und für das Loslassen dessen, was seinen Zweck erfüllt hat.

Genutzt wird die Folge in der Praxis eher als Einteilung denn als Orakel: etwas beginnen, wenn der Mond neu ist, ehrlich hinsehen, wenn er voll ist, und aufräumen, während das Licht wieder weniger wird. Aus einem Blickwinkel folgt selbstverständlich nicht, dass ein Vorhaben unter der Sichel besser läuft als eines unter dem Dreiviertelmond. Was der Zyklus bietet, ist ein Raster, das jeder am Himmel ablesen kann und das niemand einrichten muss.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich ohne Kalender, ob der Mond zu- oder abnimmt?
An der Tageszeit, zu der du ihn siehst. Ein Mond am Abendhimmel, solange es gerade erst dunkel wird, nimmt zu; ein Mond, der morgens nach Sonnenaufgang noch am Himmel hängt, nimmt ab. Diese Regel gilt überall auf der Erde, anders als die Merkregel mit der hellen Kante.
Warum ist der Mond manchmal am helllichten Tag zu sehen?
Weil er unabhängig von seiner Phase etwa zwölf von 24 Stunden über dem Horizont steht und diese Stunden nur rund um den Vollmond mit der Nacht zusammenfallen. Beim ersten Viertel steht er den ganzen Nachmittag oben, beim letzten den ganzen Vormittag. Am blauen Himmel ist er dann gut zu finden, wenn man weiß, wohin man schauen muss.
Gibt es eine dunkle Seite des Mondes?
Nein, auch wenn der Ausdruck überall herumgeistert. Der Mond dreht sich genau einmal pro Umlauf um sich selbst und kehrt uns deshalb immer dieselbe Seite zu; die andere heißt Rückseite und bekommt genauso viel Sonne ab wie die uns zugewandte. Während bei uns gerade kein Mond am Nachthimmel steht, liegt diese Rückseite im vollen Tageslicht.
Warum wirkt der Mond dicht über dem Horizont so groß?
Das ist eine Täuschung der Wahrnehmung. Gemessen ist er dort sogar ein wenig kleiner, weil er um einen Erdradius weiter entfernt steht als hoch oben am Himmel. Zwei Fotos vom selben Abend zeigen dieselbe Scheibe. Vollständig erklärt ist der Effekt bis heute nicht, mit Häusern und Bäumen im Vordergrund hat er aber vermutlich zu tun.

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