Der Aszendent ist das Zeichen, das in deiner Geburtsminute östlich über den Horizont stieg, und er ist die Angabe im Horoskop, die am stärksten an der Uhrzeit hängt.
Der Aszendent ist das Tierkreiszeichen, das in deiner Geburtsminute am östlichen Horizont gerade nach oben stieg. Es geht dabei nicht um den Stand der Sonne, sondern darum, wie die Erde in diesem Augenblick zum Himmel gedreht war. Der Name kommt vom lateinischen Wort für aufsteigen, im Alltag heißt dieselbe Angabe auch aufsteigendes Zeichen.
Die Erde dreht sich einmal am Tag um die eigene Achse. Vom Boden aus sieht es deshalb so aus, als zöge der komplette Tierkreis, also der Kreis aus den zwölf Zeichen, innerhalb von 24 Stunden einmal am Horizont vorbei. Zwölf Zeichen in 24 Stunden ergeben rund zwei Stunden pro Zeichen.
Dieses Tempo erklärt alles Weitere. Dein Sonnenzeichen teilst du mit allen Menschen, die am selben Tag geboren wurden, egal an welchem Ort der Welt. Beim aufsteigenden Zeichen können schon anderthalb Stunden Abstand reichen, damit zwei Babys aus derselben Klinik ein anderes Ergebnis bekommen. Wer morgens um sieben zur Welt kommt, hat fast nie dasselbe aufsteigende Zeichen wie jemand, der am selben Datum abends um sieben geboren wird.
Der Horizont sieht nicht überall gleich aus. Über Flensburg steht in derselben Sekunde ein anderer Teil des Himmels im Osten als über Rom. Und je weiter nördlich der Geburtsort liegt, desto ungleichmäßiger ziehen die Zeichen vorbei: Manche brauchen deutlich länger als zwei Stunden, andere sind in gut vierzig Minuten durch. In die Rechnung gehen deshalb immer Breitengrad und Längengrad ein, nicht bloß die Uhr.
Dazu kommt die Zeitzone. Eine in Deutschland notierte Geburtszeit ist mitteleuropäische Zeit, im Sommer seit 1980 wieder Sommerzeit, und beides muss auf die weltweit einheitliche Zeit zurückgerechnet werden. Eine Stunde Fehler an dieser Stelle verschiebt das Ergebnis um ein halbes Zeichen.
Praktisch bedeutet das: Zwei Menschen mit exakt derselben Geburtsminute, einer in Hamburg und einer in Neapel, kommen auf verschiedene Ergebnisse. Der Ort ist hier kein Nebendetail, sondern zählt genauso schwer wie die Uhrzeit.
Gedeutet wird er als der Teil von dir, der zuerst bei anderen ankommt: Tempo und Haltung, die Lautstärke beim Betreten eines Raums, das Bild, das sich Fremde in der ersten Minute machen. Nicht deine Gedanken, nicht dein Innenleben, sondern die Art des Auftritts.
Daher stammt der oft gehörte Satz, das eigene Sternzeichen passe überhaupt nicht. Wer als Schütze beschrieben wird, reiselustig und geradeheraus, sich selbst aber als vorsichtig und häuslich erlebt, findet die Erklärung häufig hier: Ging bei der Geburt Krebs oder Steinbock auf, wirkt der Auftritt zurückhaltender, als es die Beschreibung des Sonnenzeichens vermuten lässt.
Beides schließt sich nicht aus. Der Antrieb bleibt, was er ist, das aufsteigende Zeichen bestimmt nur die Verpackung, in der er bei anderen ankommt. Vielen fällt das erst auf, wenn Kollegen sie nach Jahren völlig anders schildern, als sie sich selbst kennen.
Deshalb wird der Aszendent gern mit dem ersten Eindruck im Vorstellungsgespräch oder auf einer Feier in Verbindung gebracht. Er soll die kurze Begegnung prägen, weniger die lange Bekanntschaft. Wer dich seit Jahren kennt, beschreibt dich meist ohnehin näher an Sonnen- und Mondzeichen.
Interessant wird die Angabe erst im Vergleich. Die nützliche Frage lautet nicht, was das aufsteigende Zeichen für sich genommen aussagt, sondern wo es mit Sonnen- und Mondzeichen zusammenpasst und wo nicht.
Zeigen alle drei in dieselbe Richtung, werden solche Menschen von außen schnell und ziemlich treffend eingeschätzt. Liegt das aufsteigende Zeichen weit von den beiden anderen entfernt, gehen erste Eindrücke oft daneben, und man wird über Jahre anders beschrieben, als man sich selbst erlebt. Dieser Abstand ist kein Rechenfehler, sondern meist die aufschlussreichste Stelle im ganzen Bild.
Weil das aufsteigende Zeichen etwa alle zwei Stunden wechselt, landest du mit einer Stunde Abweichung schnell im Nachbarzeichen und mit vier Stunden fast sicher falsch. Bei den übrigen Angaben eines Geburtshoroskops verzeiht ein grober Schätzwert, hier nicht.
Wer kurz vor einem Wechsel geboren ist, merkt schon wenige Minuten. Zwei Kinder, das eine um 4:52 Uhr, das andere um 5:05 Uhr am selben Morgen in derselben Stadt, können verschiedene Ergebnisse haben.
In deutschsprachigen Unterlagen findest du die Zeit an diesen Stellen:
Was die Familie erzählt, ist ein guter Anfang, aber mit Vorsicht zu behandeln. Beim Weitererzählen werden Zeiten auf die volle Stunde gerundet, und eine gerundete Zeit ist genau die Sorte, die dich ins falsche Nachbarzeichen schiebt.
Dann lass diese Angabe weg, statt sie zu raten. Dein Sonnenzeichen bleibt davon unberührt, das Mondzeichen fast immer auch, denn der Mond braucht für einen Wechsel gut zwei Tage und nicht zwei Stunden. Damit hast du weiterhin den größten Teil dessen, was Leute meinen, wenn sie von ihrem Horoskop sprechen.
Verloren geht der Aszendent selbst und alles, was darauf aufbaut. Das ist ein echter Verlust, aber der kleinere von beiden. Jahrelang mit einem geratenen Wert zu arbeiten, führt weiter weg als gar keiner.
Manche Astrologen bieten an, die fehlende Uhrzeit aus Ereignissen im Leben zurückzurechnen. Das ist ein Deutungsverfahren mit vielen Annahmen und kein Nachschlagen in einer Quelle. Wer es ausprobiert, sollte das Ergebnis als Vermutung behandeln und nicht als wiedergefundene Tatsache.
Zur Einordnung gehört noch ein Satz: Die Astrologie ordnet dem aufsteigenden Zeichen bestimmte Eigenschaften zu, nachgewiesen ist dieser Zusammenhang nicht. Wer damit arbeitet, benutzt ein Bild zum Nachdenken über sich selbst, kein Messgerät und keine Vorhersage.


