Sind umgekehrte Tarotkarten schlecht?

Was eine Karte bedeuten soll, die verkehrt herum auf dem Tisch liegt, warum sie kein Unglück ankündigt und warum viele Kartenleger sie einfach wieder aufrecht drehen.

Nein. Eine umgekehrte Karte ist eine Karte, die aus Sicht der lesenden Person auf dem Kopf steht, und in den meisten Lesarten verschiebt das die Betonung, statt aus der Karte ein Unglück zu machen. Die freundlichsten Sätze einer Legung, also einer Runde ausgelegter Karten, stammen oft von Blättern, die verkehrt herum liegen, und die härtesten oft von Blättern, die ganz normal aufrecht daliegen.

Gedrehte Karten entstehen beim Mischen

Am besten fängt man bei der Mechanik an, denn die nimmt der Frage einen guten Teil ihrer Schwere. Eine Karte kann nur auf dem Kopf ankommen, wenn vorher ein Teil des Stapels körperlich herumgedreht wurde. Wer sein Deck so mischt, wie man es vom Kartenspiel am Küchentisch kennt, also durch Überhandmischen oder durch Ineinanderfächern zweier Hälften, behält die Ausrichtung aller 78 Blätter bis in alle Ewigkeit bei.

Gedrehte Karten treten auf, weil jemand den Stapel geteilt und eine Hälfte gewendet hat, weil die Karten verdeckt auf dem Tisch verrührt wurden oder weil sie heruntergefallen sind. Eine Drehung ist damit eine Folge deiner Handhabung und keine Nachricht, die auf dich gezielt hätte. Wer die Blätter wie Dominosteine über die Tischplatte schiebt, darf damit rechnen, dass etwa die Hälfte gewendet erscheint. Das ist gut zu wissen, wenn ausgerechnet ein schwieriges Bild auf dem Kopf landet und schon die Lage selbst bedrohlich wirkt.

Die gängigen Lesarten

Eine verbindliche Regel gibt es nicht. Nebeneinander bestehen mehrere Konventionen, und ehrlicher ist es, sie auch so zu nennen:

  • Nach innen gewendet. Die Eigenschaft der Karte ist vorhanden, bleibt aber privat, wird also eher gefühlt als gezeigt.
  • Gebremst oder verzögert. Dasselbe Thema will passieren, stößt auf Widerstand oder kommt später als gedacht.
  • Zu viel oder zu wenig. Großzügigkeit, die in Verschwendung kippt, Vorsicht, die zur Blockade wird: der Regler steht am Anschlag.
  • Im Abklingen. Die beschriebene Lage geht zu Ende, statt gerade erst anzufangen.
  • Die unbequeme Seite. Dieselbe Idee in der Fassung, die das aufrechte Bild höflich weglässt.
  • Reine Betonung. Manche benutzen die Drehung wie einen Textmarker: Diese Karte braucht mehr Nachdenken als die übrigen.

Nur zwei dieser Punkte klingen überhaupt ungünstig, und keiner spricht von Katastrophe. Viel wichtiger als die Wahl der Konvention ist, dass du bei einer bleibst. Wo die Regel von Blatt zu Blatt wechselt, lässt sich am Ende alles begründen und deshalb nichts.

Karten, bei denen die Drehung entlastet

Das stärkste Argument gegen die Gleichung umgekehrt gleich schlimm liefern die Karten selbst. Der Turm zeigt ein Gebäude, das plötzlich einstürzt, und gewendet gilt er weithin als Einsturz, der abgewendet, überstanden oder aufgeschoben wurde. Die Zehn der Schwerter, eine Zahlenkarte aus der Farbe Schwerter, ist in fast jedem Deck das trostloseste Bild, und auf dem Kopf heißt sie üblicherweise, das Schlimmste liege bereits hinter dir. Der Teufel beschreibt die Bindung an eine Gewohnheit oder an eine Lage, und gedreht lesen ihn viele als Kette, die sich gerade lockert.

Das geht genauso andersherum. Die Zehn der Kelche steht aufrecht für ein zufriedenes Zuhause und kann gewendet auf eine Familie deuten, die von außen besser aussieht, als sie sich von innen anfühlt. Die Sonne auf dem Kopf wird häufig als Klarheit gelesen, die sich verspätet, nicht als Klarheit, die ausbleibt. Aufrecht und gewendet sind keine zwei moralischen Schubladen, sondern zwei Enden eines Gedankens, und welches Ende angenehm ist, entscheidet allein das jeweilige Blatt.

Viele Kartenleger lesen grundsätzlich aufrecht

Ausschließlich aufrecht zu lesen, ist eine anerkannte Praxis und war es immer. Die Begründung dafür: Ein Deck aus 78 Blättern trägt ohnehin genug Bedeutung, und was eine Drehung ergänzen würde, liefern die Nachbarkarten und der Platz, auf dem eine Karte gelandet ist.

Der zweite Punkt verdient eine Erklärung. In den meisten Legungen bekommt jeder Platz seine Aufgabe zugeteilt, bevor die Blätter fallen: was hilft, was im Weg steht, was übersehen wurde. Landet eine Karte auf dem Platz für das Hindernis, tut sie dort bereits die Arbeit, die eine gebremste Lesart übernehmen würde. Beides zusammen verdoppelt eher, als dass es schärfer wird. Keine der beiden Arbeitsweisen ist echter als die andere, und Verlässlichkeit bringt mehr als die Entscheidung zwischen ihnen.

Die Regel gehört vor das Mischen

Wirklich schädlich ist nur eines: die Regel mitten in der Deutung zu ändern. Wer erst nach einem unangenehmen Bild beschließt, dass Drehungen doch zählen, oder ein Blatt still herumdreht, weil die aufrechte Bedeutung besser zur Lage passt, nimmt der ganzen Übung ihren Wert. Kläre die Frage, bevor du das Deck überhaupt anfasst.

Für den Anfang bewährt sich diese Reihenfolge:

  • Lies aufrecht, bis dir die Bilder vertraut sind. 78 Bedeutungen sind auch ohne zweite Liste eine Menge Stoff.
  • Sollen Drehungen dazukommen, führe sie mit Absicht ein: Stapel teilen, eine Hälfte wenden, beide Teile wieder zusammenmischen.
  • Notiere oben auf dem Blatt, welche Konvention galt. Dann bedeutet eine Legung in einem halben Jahr noch dasselbe wie am Tag der Ziehung.

Was ein Blatt auf dem Kopf nicht kann

Tarot ist eine Tradition des geordneten Nachdenkens. Die Bilder sind alt, die Bedeutungen, die Menschen hineinlesen, sind seit Langem aufgeschrieben, und eine Legung holt eine Frage aus dem Kopf heraus auf den Tisch, wo man sie ansehen kann. Ein Verfahren, das auf die Welt einwirkt, ist sie nicht, und geprüft ist an ihr nichts.

Ein gewendetes Blatt hat nichts verursacht und legt dich auf nichts fest. Es ist ein Denkanstoß, und geändert wird eine Lage durch das, wofür du dich danach entscheidest. Wenn dir jemand erzählt, eine bestimmte umgekehrte Karte bedeute ein festes Unglück, und für die Abwehr dieses Unglücks wird gleich ein Preis genannt, dann handelt es sich um einen Verkaufstrick und nicht um Kartenlegen. Für abgewendetes Pech stellt niemand eine Rechnung, der die Sache ernst nimmt.

Häufig gestellte Fragen

Sollten Anfänger mit gedrehten Karten arbeiten?
Es eilt nicht. Wer die aufrechten Bedeutungen sicher beherrscht, hat eine solide Grundlage, und die zweite Ebene lässt sich jederzeit nachträglich einbauen. Manche sehr erfahrenen Kartenleger übernehmen sie ihr Leben lang nicht, ohne dass ihre Legungen darunter leiden.
Was heißt es, wenn fast die ganze Legung gedreht ist?
Meistens heißt es, dass deine Art zu mischen viele Blätter gewendet hat. Das sagt etwas über deine Hände aus und nichts über deine Frage. Manche werten eine große Menge gewendeter Karten als Hinweis darauf, dass ein Thema gemieden wird. Prüfe erst das Mischen, bevor du die Anzahl deutest.
Bedeutet eine gedrehte Karte einfach das Gegenteil?
Ein sauberes Gegenteil ergibt sich nur selten. Üblicher ist, dasselbe Thema in anderer Lautstärke oder in anderer Richtung zu lesen, etwa nach innen statt nach außen oder verblassend statt ankommend. Wer die Bedeutung stur umdreht, bekommt Deutungen, die sich selbst widersprechen.
Ist die Karte Der Tod gedreht ein gutes Zeichen?
Der Tod handelt schon aufrecht nicht vom Sterben, sondern von einem Abschluss, der Platz für das Nächste schafft. Gewendet wird er meist so gelesen, dass sich dieser Abschluss hinzieht oder dass sich jemand dagegen stemmt. Ob das gut ist, hängt davon ab, wie sehr du die Veränderung wolltest.

Weiterlesen