Das Jahr eines Tierzeichens beginnt nicht am 1. Januar, sondern mit dem Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Für Januargeborene ändert das oft das Tier.
Das Jahr des Pferdes oder das Jahr der Schlange fängt nicht am 1. Januar an. Der chinesische Jahresbeginn richtet sich nach dem Mond und fällt je nach Jahrgang auf einen Tag zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Wer am 10. Januar 2025 zur Welt kam, ist deshalb keine Schlange, sondern noch ein Drache, denn das Schlangenjahr begann erst am 29. Januar. Diese eine Verschiebung ist der Grund, warum eine ganze Reihe von Menschen jahrelang mit dem falschen Tier herumläuft.
Der chinesische Kalender ist lunisolar, das heißt: Seine Monate zählt er nach dem Mond, seine Jahre hält er mit der Sonne im Takt. Ein Monat beginnt am Tag eines Neumonds, also an dem Tag, an dem der Mond zwischen uns und der Sonne steht und uns keine beleuchtete Fläche zeigt. Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Neumonden liegen im Mittel 29,5 Tage, ein solcher Monat dauert also 29 oder 30 Tage.
Zwölf solcher Monate ergeben zusammen etwa 354 Tage. Das sind rund elf Tage weniger als ein Sonnenjahr. Bliebe dieser Fehlbetrag unkorrigiert, wäre das chinesische Neujahr in wenigen Jahrzehnten quer durch alle Jahreszeiten gewandert und läge irgendwann im Hochsommer. Deshalb wird siebenmal in neunzehn Jahren ein dreizehnter Monat eingeschoben. Der Kalender bleibt so an die Sonne gebunden, kann sich aber nicht auf ein festes Datum festlegen und pendelt in einem Fenster von etwa einem Monat hin und her.
Eine zweite Rechnung läuft daneben her, und sie sorgt regelmäßig für Verwirrung. Wer mit vollständigen chinesischen Geburtsbildern arbeitet, lässt das Tierjahr oft nicht am Neujahrstag beginnen, sondern am lichun, dem traditionellen ersten Frühlingstag um den 4. Februar herum. Bei Geburtstagen in den ersten Februartagen können die beiden Zählweisen zwei verschiedene Tiere ergeben. Falsch ist deswegen keine von beiden, sie beantworten nur leicht verschiedene Fragen.
Die Reihenfolge steht seit Langem fest und wird nie unterbrochen. Hinter jedem Tier steht unten ein Jahr, in dem es an der Reihe war. Zwölf abziehen oder zwölf dazuzählen führt zum nächsten Jahr desselben Tiers, und das gilt beliebig weit in beide Richtungen.
Jedes dieser Jahre beginnt am chinesischen Neujahrstag, nicht im Januar. Bei den Namen ist außerdem Spielraum: Der Büffel heißt auch Ochse oder Rind, der Hase auch Kaninchen, die Ziege auch Schaf, das Schwein auch Eber. Die chinesischen Wörter fassen jeweils zusammen, was das Deutsche auseinanderhält, und keine der Übersetzungen ist die einzig richtige.
Zwei Nachbarkulturen rechnen sichtbar anders, was in Deutschland gelegentlich für Diskussionen am Tisch sorgt. Im vietnamesischen Tierkreis steht an der Stelle des Hasen die Katze und an der Stelle des Büffels der Wasserbüffel. In Japan wiederum wird derselbe Zwölferkreis seit der Kalenderumstellung von 1873 zusammen mit dem gewöhnlichen Jahr gezählt, das Tier wechselt dort also am 1. Januar. Wer aus japanischen Quellen abschreibt, bekommt für Januargeburten deshalb systematisch ein anderes Tier genannt als aus chinesischen.
Zu jedem Jahr gehört neben dem Tier eines von fünf Elementen: Holz, Feuer, Erde, Metall sowie Wasser. Ein Element bleibt zwei Jahre lang an der Reihe, bevor das nächste übernimmt. Zwölf Tiere mal fünf Elemente ergeben sechzig Kombinationen, und erst nach diesen sechzig Jahren beginnt die Folge wieder von vorn. Ein Holz-Drache oder eine Metall-Ratte kommt also einmal in sechzig Jahren vor. Daher rührt auch das Gewicht, das der sechzigste Geburtstag in dieser Tradition hat: Erst dann steht jemand wieder unter der gleichen Kombination wie bei der Geburt.
Das Element lässt sich an der letzten Ziffer der Jahreszahl ablesen, sofern der Geburtstag nach dem chinesischen Neujahr liegt. 0 und 1 stehen für Metall, 2 und 3 für Wasser, 4 und 5 für Holz, 6 und 7 für Feuer, 8 und 9 für Erde. Nach dieser Regel war 2024 ein Jahr des Holz-Drachen und 2026 eines des Feuer-Pferds.
Dazu kommt der Wechsel zwischen Yang und Yin, dem alten chinesischen Gegensatzpaar aus tätigem und aufnehmendem Pol. Beide lösen einander ohne Ausnahme ab, und weil die Tiere in fester Ordnung stehen, ist die Zuordnung unveränderlich: Ratte, Tiger, Drache, Pferd, Affe und Hund sind immer Yang, Büffel, Hase, Schlange, Ziege, Hahn und Schwein immer Yin. Formal entsteht der Sechzigerkreis aus zehn Himmelsstämmen, also den fünf Elementen jeweils in einer Yang- und einer Yin-Form, und zwölf Erdzweigen, den Tieren.
Ein Tier trägt einen Ruf mit sich, keine Prognose. Der Büffel gilt als geduldig und kaum von seinem Weg abzubringen, der Affe als schnell und schelmisch, die Schlange als verschwiegen und klug, das Pferd als unruhig und gesellig. Solche Beschreibungen stammen aus Geschichten, Sprichwörtern und gedruckten Almanachen. Sie sind keine Untersuchungsergebnisse, und man liest sie am besten so, wie man jede überlieferte Charakterschilderung liest: als Brille, die manchmal passt und manchmal eben nicht.
Auch die Frage, wer zu wem passt, wird in dieser Tradition rein geometrisch beantwortet. Tiere, die im Kreis vier Plätze auseinanderstehen, gelten als gutes Gespann, was vier Dreiergruppen ergibt: Ratte mit Drache und Affe, Büffel mit Schlange und Hahn, Tiger mit Pferd und Hund, Hase mit Ziege und Schwein. Tiere, die sich mit sechs Plätzen Abstand genau gegenüberstehen, gelten als schwierige Paarung, also Ratte und Pferd, Büffel und Ziege, Tiger und Affe, Hase und Hahn, Drache und Hund, Schlange und Schwein. Das ist eine hübsche Ordnung im Kreis und nichts weiter, sicher aber keine Auskunft darüber, ob eine bestimmte Beziehung trägt.
Alle zwölf Jahre ist dein eigenes Tier wieder an der Reihe, also mit zwölf, mit vierundzwanzig, mit sechsunddreißig und so fort. Der chinesische Brauch nennt dieses Jahr benmingnian und behandelt es nicht als Glücksfall, sondern als unruhige Strecke. Die Begründung ist so einfach wie einprägsam: Wer direkt unter seinem eigenen Zeichen steht, zieht Aufmerksamkeit auf sich, auf die man auch verzichten könnte.
Das übliche Gegenmittel ist die Farbe Rot. Ein roter Gürtel, rote Socken oder rote Unterwäsche, das ganze Jahr über getragen und am besten geschenkt statt selbst gekauft. Beobachtet wird das etwa in dem Geist, in dem hierzulande jemand auf Holz klopft, und es halten sich auch Leute daran, die von der Sache im Übrigen nichts halten.
Das Jahrestier ist nur das erste von vieren. Eine vollständige Deutung, bazi oder die vier Säulen genannt, ordnet je ein Tier und ein Element dem Jahr, dem Monat, dem Tag und dem Zwei-Stunden-Block der Geburt zu. Als die Säule, die den Menschen selbst am genauesten trifft, gilt dabei meist der Tag. Das erklärt einiges: Wer sich in seinem Jahrestier überhaupt nicht wiederfindet, hat schlicht nur ein Zwölftel der Angaben in der Hand.
Am schnellsten wechselt das Stundentier. Der chinesische Tag zerfällt in zwölf Doppelstunden, jede unter einem Tier in der gewohnten Reihenfolge, beginnend mit der Stunde der Ratte von 23 Uhr bis 1 Uhr. In populären Darstellungen heißt das Monatstier das innere und das Stundentier das geheime Tier. Für das Jahrestier reicht der Jahrgang, sobald aber Monat, Tag oder Stunde dazukommen sollen, braucht es das volle Geburtsdatum und für die Säule der Stunde zusätzlich die Uhrzeit.


